Konzeption

Konzeption Waldkindergarten

In den Wäldern sind Dinge,
über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte!
Franz Kafka

Teil I - Der Waldkindergarten

Der Waldkindergarten richtet sich nach den Zielen des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplanes und führt zur Schulfähigkeit wie ein Regelkindergarten auch. Er unterstützt und ergänzt die familiäre Erziehung. Darüber hinaus bietet er den Wald als Lebensraum und damit faszinierende pädagogische Möglichkeiten. Durch eine sinnliche Beziehung zur Natur finden Körper, Geist und Seele dort einen reichen Nährboden voller Anregungen. Der Wald besitzt ein eigenes Klima, die Lichtverhältnisse ändern sich ständig, Geräusche werden unterschiedlich wahrgenommen und auch die Zeit bekommt eine andere Dimension. Aus pädagogischer Sicht ist der Aufenthaltsort Wald für die gesamte kindliche Entwicklung ein ideales Umfeld. Es findet eine kind- und situationsorientierte, ganzheitliche und individuelle Begleitung, Förderung, Erziehung und Betreuung der Kinder statt.

Geschichtlicher Rückblick

Die Idee zu einem Kindergarten ohne Dach und Mauern, in dem die Kinder in einer ausgesprochenen Naturumgebung im Kontakt mit Pflanzen, Tieren, Wind und Wolken leben lernen, entstand in den 60er Jahren in Dänemark. Dem Beispiel der dänischen “skovbornehaven“ folgend, wurde 1993 der erste deutsche Waldkindergarten in Flensburg gegründet. Das dort erarbeitete Konzept stieß bundesweit auf Interesse und war Anstoß für die Verbreitung der Waldpädagogik und die Gründung weiterer Waldkindergärten.

Der Waldkindergarten Altfraunhofen

Schon vor einigen Jahren flammte in Altfraunhofen die Idee auf, einen Waldkindergarten in Form einer Elterninitiative zu gründen. Diese Idee konnte aber nicht verwirklicht werden. Um der stark wachsenden Gemeinde und den vielen neu zugezogenen Familien eine angemessene Auswahl an Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu bieten, beschloss die Gemeinde Altfraunhofen, einen Waldkindergarten in kommunaler Trägerschaft ins 7 Leben zu rufen. Der Idee lag der Gedanke zugrunde, eine familienfreundliche, ortsnahe und somit auch fußläufig gut erreichbare Einrichtung zu schaffen. Unser Waldstück, das „Lausbacher Holz“, grenzt unmittelbar an das Neubaugebiet „Am Sonnenhang“ an. Unser „Häusl“ in Holzständerbauweise fungiert gleichzeitig als Treffpunkt, Besprechungs- und Lagerraum und bietet den Waldkindern bei Sturm, Gewitter oder anderen widrigen Umständen einen waldnahen Schutz. Die Nachmittagsbetreuung findet dort statt. Durch die Verwendung von natürlichen Baumaterialien und der Möglichkeit, das Gebäude gegebenenfalls auch ab- und an einem anderen Ort wieder aufbauen zu können, trägt die Planung sehr nachhaltige Züge. Der Waldkindergarten Altfraunhofen versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern als Erweiterung zum bestehenden Betreuungsangebot der Gemeinde und ist gerne zu Kooperation bereit.

Träger

Die Gemeinde Altfraunhofen ist der Träger des Waldkindergartens, vertreten durch BürgermeisterJosef Schreff. Der Träger verantwortet den qualitativen, finanziellen und organisatorischen Rahmen und trägt die Verantwortung für die Gesamtumsetzung.

  • Andrea Bartl-Pantel Erzieherin, Konditorin
  • Nadine Ettrich Erzieherin
  • Daniela Chrostek Erzieherin
  • Claudia Sandmeyer Leitung, Erzieherin, Dipl.-Sozpäd.(FH)
  • Roland Petermaier männlicher Unterstützer, Koch

Zeitweise arbeiten Praktikant*innen mit, für Notfälle ist ein Elternnotdienst geplant.

Arbeitsweise

Das bemerkenswerte am Waldkindergarten ist, dass Kinder und Erwachsene täglich, das ganze Jahr über, bei jeder Wetterlage in der Natur leben. Die Arbeit im Waldkindergarten erfordert dadurch von den Betreuern viel Flexibilität, Spontaneität und Improvisationstalent, denn hier ist kein Tag wie der andere. Eine positive Einstellung zum ständigen Aufenthalt im Freien sowie eine gute körperliche Konstitution muss gegeben sein, um auch bei widrigen Umständen motivierte Arbeit am Kind leisten zu können. Mehr noch als in anderen pädagogischen Einrichtungen verlangt die Arbeit im Wald nach einer guten Teamarbeit. Idealerweise bringt hierzu jeder im Team seinen Ideenreichtum und seine Stärken ein. Doch bei gleichberechtigtem Arbeiten haben auch Schwächen ihren Platz. Wichtig ist gegenseitige Toleranz und ein regelmäßiger Austausch über Probleme, insbesondere aber über die Vorstellungen und Wünsche zur Verwirklichung der anfallenden Aufgaben. Einige wichtige Aufgaben für das ganze Team aus organisatorischer Sicht sind:

  • den Kindergartentag gleichzeitig zu beginnen, um einen guten, gemeinsamen Start zu finden,
  • Tagesabläufe, Rahmenpläne, Aktionen, Feste usw. gemeinsam zu planen,
  • Beobachtungen in einem Tagebuch, auf einer pädagogischen Akte oder in einer Statistik zusammenzutragen und auszuwerten (für sich, für Eltern und als Berichtsgrundlage für den Träger)
  • Reflexion der täglichen Arbeit.
  • Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen Eine gute Möglichkeit zum professionellen Erfahrungsaustausch bieten auch regelmäßige Treffen mit anderen Waldkindergärten.

Name der Einrichtung

Waldkindergarten Altfraunhofen, Am Sonnenhang,  84168 Altfraunhofen

Postanschrift:

Waldkindergarten Altfraunhofen, Rathausplatz 1, 84169 Altfraunhofen

Kontakt

Claudia Sandmeyer 08705/9282,  claudia.sandmeyer@vg-altfraunhofen.de
Rathaus 08705/9280,  poststelle@vg-altfraunhofen.de

Aufnahme in den Waldkindergarten

Ab dem vollendeten 3. Lebensjahr nehmen wir ein Kind gern in unsere Gruppe auf. Kinder unter drei Jahren können in Ausnahmefällen nur aufgenommen werden, wenn noch freie Plätze zu Verfügung stehen und die Entwicklung des Kindes eine Bewältigung des Kindergartenalltags erlaubt. Aufnahmezeiten sind zum Kindergartenbeginn im September. Zugänge während des Jahres sind jederzeit möglich, vorausgesetzt ein freier Platz steht zur Verfügung. Da wir ein Kindergarten in kommunaler Trägerschaft sind, werden Geschwisterkinder und Kinder aus der Verwaltungsgemeinschaft Altfraunhofen/Baierbach bevorzugt aufgenommen. Kinder aus anderen Kommunen kommen zum Zuge, wenn noch freie Plätze vorhanden sind. Für die Aufnahme in den Waldkindergarten ist ein ausreichender Masernimpfschutz Voraussetzung. Wickelkinder sind für uns kein Problem! Das Kind muss nicht sauber sein, um im Kindergarten starten zu können.

Der Wald

Das Lausbacher Holz, eine Waldfläche von ca. 15 ha, liegt in der Nachbarschaft zum neuen Ortsteil Am Sonnenhang. Das Waldgrundstück stellt die Familie Rottenwallner für die Nutzung zur Verfügung. Dieses schöne Waldstück mit seinen unterschiedlichen Bewuchsformen, Strukturen und Plätzen bietet vielerlei Möglichkeiten zum Spielen, Verweilen, Erkunden und Erleben. Das Gelände ist abwechslungsreich strukturiert, ebene Flächen wechseln mit abschüssigem Gelände. Am Rande des Waldes fließt ein kleiner Bach – der Lausbach. Angrenzende Wiesen und Äcker bieten weitere Erkundungsmöglichkeiten. Am Moosplatz, unserem Hauptplatz im Wald, befindet sich ein Regendach und im Winter ein Tipi.

Gruppengröße und Gruppenstrukturierung

Der Waldkindergarten Altfraunhofen steht im Jahr 2021 in seinem siebten Jahr. Im Frühjahr 2021 sind 31 Kinder angemeldet. Aufgrund der großen Nachfrage nach freien Plätzen wurde 2017 eine Anhebung der Kinderzahl auf 34 beantragt. Unser Ziel ist es jedoch nicht, mit einer Vielzahl von Kindern in den Wald zu ziehen, die Gruppengrößen sollen im überschaubaren Bereich bleiben. Zudem besteht so die Möglichkeit, auch für Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf Platz zu schaffen. (Einzelintegration, Kinder mit Migrationshintergrund) So können wir – je nach Kinderzahl – zwei Gruppen mit maximal 17 Kindern bilden, die durch Fachkräfte und Praktikanten betreut werden. In diesem kleinen Rahmen möchten 10 wir den Kindern Sicherheit geben, sich mit dem Wald und den Erzieher*innen vertraut zu machen. Die Überschaubarkeit der kleinen Gruppe bietet den Kindern mehr Struktur und sie können sich schneller eingewöhnen und feste Spielpartner finden. Eine Zusammenführung beider Gruppen zu gemeinsamen Tagespunkten wie Morgenkreis und Schlusskreis, das gemeinsame Erleben von Festen und Feiern wird nach der Eingewöhnungszeit angestrebt. Mit der Zeit öffnen sich die Kleingruppen und es werden auch gruppenübergreifende Angebote stattfinden, die die Kinder je nach ihren Neigungen aufsuchen und wahrnehmen können. So ergibt sich eine größere Auswahl an Beschäftigungsangeboten, die Zahl der Spielpartner erweitert sich, festgefahrene Spielsituationen können verlassen werden und unterschiedliche Erzieher*innen stehen als Bildungs- und Bindungspartner zur Verfügung.

Waldplätze

Das Lausbacher Holz bietet hierfür die idealen Bedingungen. Kleinere überschaubare Plätze bieten vielerlei Spielmöglichkeiten und laden ein, dort mit kleineren Gruppen zu verweilen. Unser großer zentraler Moosplatz ist so weitläufig, dass sich dort auch beide Gruppen aufhalten können, ohne sich gegenseitig zu behindern oder das Gefühl der Überbelegung entsteht. Mit unseren beiden Tipis, dem Unterstand am Moosplatz und dem waldnahen Häusl verfügen wir über ausreichende Möglichkeiten, bei widrigem Wetter oder bei Minustemperaturen für beide Gruppen einen angenehmen Brotzeitplatz zu finden. Bei Sturm oder Gewitter bietet uns das Häusl mit seinen beiden Gruppenräumen ausreichend Platz.

Unser Schuppen am Moosplatz

Materialen, die wir für unsere Aktionen im Wald benötigen, werden hier gelagert:

  • Werkzeuge (Schnitzmesser, Sägen, Raspeln, Bohrer)
  • unser kleiner Spirituskocher
  • eine Kiste mit Seilen für diverse Seilaufbauten
  • eine Kiste mit Reservekleidung 11
  • Feuerschalen
  • unsere Gitarre
  • Malzubehör
  • und vieles mehr!

Das weit überstehende Dach bietet uns guten Schutz bei schlechtem Wetter. Da können wir gemütlich und geschützt unsere Brotzeit einnehmen.

Der Elternbeirat

Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern stellt eine Grundlage guter Erziehungspartnerschaft da, der Elternbeirat als Ansprechpartner und Mittler nimmt hier eine wichtige Position ein. Im Oktober 2020 wurde ein neuer Elternbeirat gewählt:

  • Karin Finsterer
  • Gabriele Forster
  • Annabell Petermaier
  • Nicole Ruhland
  • Susanne Seeanner
  • Nadja Truntschka

Das „Häusl“

Das Gebäude am Sonnenhang ist unser täglicher Treffpunkt, unsere Anlaufstelle. Hierher werden am Morgen die Kinder gebracht und auch mittags wieder abgeholt. Im Häusl finden Elterngespräche und Teamsitzungen statt, unsere Materialien lagern dort. Das Gebäude steht außerdem den Eltern für Aktionen und Treffen zur Verfügung. Bei extremer Witterung, wie Sturm, Gewitter oder Schneebruchgefahr dient unser Häusl als Schutzraum und ist für solche Tage sehr gut ausgestattet. Die eingebaute Küchenzeile wird im Winter zum Teekochen genutzt. Immer montags wird hier in kleinen Gruppen gekocht und an Weihnachten duftet es nach selbstgebackenen Plätzchen. Die Kinder, die die längeren Öffnungszeiten nutzen, nehmen hier das Mittagessen ein. Die Mittagsverpflegung wird vom Gasthaus Vilserwirt angeliefert. Das täglich benötigte Händewaschwasser wird auch hier entnommen.

Öffnungszeiten

Es stehen drei Buchungszeiten mit unterschiedlichen Beitragssätzen zur Auswahl:

  • 7.00 Uhr bis 13.00 Uhr - Buchungszeit 5-6 Stunden
  • 7.00 Uhr bis 14.00 Uhr - Buchungszeit 6-7 Stunden
  • 7.00 Uhr bis 15.00 Uhr - Buchungszeit 7-8 Stunden

Bringzeit ist von 7:00 Uhr bis 8:00 Uhr Kernzeit ist von 8:00 Uhr bis 12:00 Uhr Abholzeit ist – je nach Buchungszeit - um 13:00 Uhr, 14:00 Uhr und 15:00 Uhr Kinder, die schon um 7:00 Uhr gebracht werden, warten mit den anwesenden Erzieher*innen am Häusl, bis um 8:00 Uhr alle Kinder beisammen sind.

Mittagessen

Das Essen wird vom Gasthaus Vilserwirt in Altfraunhofen geliefert und kostet derzeit 3.20 €. Das Mittagessen wird gemeinsam eingenommen. Die Kinder übernehmen hier hauswirtschaftliche Aufgaben. Es wird zusammen der Tisch gedeckt und die Getränke vorbereitet. Nach einem Gebet, Lied oder Spruch starten wir gemeinsam mit dem Essen. Das Essen wird in Schüsseln angerichtet und jedes Kind darf sich selbst sein Essen nehmen. So entwickeln die Kinder ein Gefühl für Mengen und den eigenen Bedarf. „Hilf mir, es selbst zu tun“ nach Montessori. Im Anschluss räumt jedes Kind seinen eigenen Platz auf. In der Gemeinschaft traut man sich eher etwas zu probieren, unbekannte Speisen können für sich erobert werden. Das Geschmacksserlebnis kann mit den anderen Kindern ausgetauscht werden. Kinder werden mutiger und erlangen mehr Selbstvertrauen. Wir achten auf Tischmanieren und den sicheren Umgang mit Besteck. Eine gepflegte Tischunterhaltung gehört natürlich auch mit dazu. Im kleinen Kreis kommen viele Dinge zur Sprache, die sonst nicht erwähnt werden.

Ausstattung

Wir haben einen großen und einen kleineren Gruppenraum, Toiletten für Kinder und Personal, ein Technik-/Putzkammerl und einen Lagerraum. Im Eingangsbereich hat die Garderobe ihren Platz und der Bollerwagen übernachtet dort. Im großen Gruppenraum – unserem Aufenthaltsort – ist eine Küchenzeile mit Kühlschrank, Herd, Spüle und Spülmaschine installiert. Als Möblierung gibt es ein paar Tische, Stühle, Regale für Materialien und eine „Kuschelecke“ mit Sitzkissen und Decken. Eventuell gesellt sich im Laufe der Zeit noch eine Werkbank/Arbeitstisch dazu.

Materialen im Häusl

Den Kindern stehen für die nachmittägliche Beschäftigung dieselben Materialien wie am Vormittag zur Verfügung

  • Malsachen
  • Werkzeug
  • Bücher
  • Bastelmaterialien

Handelsübliches Spielzeug wie Lego, Playmobil etc. gibt es im Waldkindergartenhäusl nicht.

Pädagogische Angebote

Die Beschäftigungen am Nachmittag orientieren sich ebenfalls an unserem waldpädagogischen Konzept. Je nach Kondition und Wetter gehen wir auch am Nachmittag in die umgebende Natur. Beschäftigungen/Experimente vom Vormittag können am Nachmittag weitergeführt oder vertieft werden. Es gibt natürlich auch Zeit zum Ausruhen, Schmökern und Ratschen. Das Außengelände lädt zur Gestaltung ein:

  • Gemüsegarten
  • Obstbäume
  • Werkstatt
  • Experimentierecken
  • Wassergraben
  • Hecke pflanzen und, und, und…….

Kosten

Der monatliche Kindergartenbeitrag beläuft sich bei einer Buchungszeit von

5 – 6 Stunden auf 100 € (120 € ab 09/2021)

6 - 7 Stunden auf 115 € (130 € ab 09/2021)

7 - 8 Stunden auf 130€ (141 € ab 09/2021)

Geschwisterkinder erhalten 15€ Ermäßigung.

Für Getränke (Apfelschorle im Sommer, Tee im Winter) fallen 4 € an. Das Mittagessen kostet 3,20 €.

Seit dem 1. April 2019 bezuschusst der Freistaat Bayern die monatlichen Kindergartengebühren bis zu einer Höhe von 100 € pro Kind. Der Beitragszuschuss für die gesamte Kindergartenzeit in Höhe von 100 € pro Kind und Monat wird mit einer Stichtagsregelung an das Kindergartenjahr gekoppelt. Er gilt ab dem 1. September des Kalenderjahres, in dem das Kind drei Jahre alt wird und wird bis zur Einschulung gezahlt. Der gewährte Zuschuss wird auf die jeweilige Gebühr angerechnet. Die Anrechnung ist auf die Höhe der festgesetzten Gebühr begrenzt. Die Kosten für Teegeld und Mittagessen sind hiervon nicht betroffen.

Schließtage

Die 30 Schließtage des Kindergartens orientieren sich an den Schulferien und werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Versicherung

Die Kinder sind während des Aufenthaltes im Wald und auf dem Gelände durch die kommunale Unfallversicherung abgesichert. Für witterungsbedingte Erkrankungen und Erkrankungen durch Infektionen (Zecken und Fuchsbandwurm) übernimmt der Träger keine Haftung.

Gefahren im Wald

Die Unfallrisiken im Wald sind – entgegen mancher Befürchtungen und Annahmen – nicht höher als in jedem anderen Kindergarten. Die Geschicklichkeit der Kinder verbessert sich deutlich. Die Einhaltung von Regeln hilft, Unfälle zu vermeiden. Das Personal kennt die Gegebenheiten des Waldgeländes genau und kann das Gefahrenpotential gut einschätzen.

Zecken – FSME und Borrelliose

Das Personal überschaut die Häufigkeit von Zeckenbefall und informiert gegebenenfalls die Eltern. Das Tragen einer Kopfbedeckung und langer Hosen hat sich bewährt. Wir empfehlen den Eltern, die Kinder nach der Rückkehr aus dem Wald nach Zecken abzusuchen. Der Gebrauch von Zeckenschutzmitteln jedweder Art ist den Eltern natürlich freigestellt. Die Entscheidung über eine etwaige Impfung liegt im Entscheidungsbereich der Eltern. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Kinder im Wald nicht häufiger von Zecken gebissen werden, als im häuslichen Garten. Tritt während des Aufenthalts im Wald ein Zeckenbiss ein, entfernen die Erzieher*innen die Zecke so schnell wie möglich, um einer Infektion mit Borreliose oder FSME vorzubeugen. Die Bissstelle wird markiert, um einen möglichen Entzündungsvorgang besser verfolgen zu können und die Eltern beim Abholen informiert. Einverständniserklärungen der Eltern zu dieser Vorgehensweise werden schon beim Eintritt in den Kindergarten eingeholt.

Fuchsbandwurm

Um eine Aufnahme von Fuchsbandwurmeiern zu vermeiden, ist der Verzehr roher Waldfrüchte grundsätzlich nicht erlaubt. Um den Kindern dennoch die Früchte des Waldes zugänglich zu machen, werden die geernteten Früchte gemeinsam mit den Kindern zu allerlei Leckereien verkocht. (Blaubeerpfannkuchen, Brombeermarmelade, Hollerküchle usw)

Hygiene

Im Bollerwagen wird ein Kanister mit warmem Wasser, biologisch abbaubare Flüssigseife sowie eine Handbürste zum Händewaschen mitgeführt. Vor jeder Brotzeit, nach dem Toilettengang und bei sonstigem Bedarf werden die Hände gründlich gewaschen. Jedes Kind hat sein eigenes Handtuch im Rucksack dabei. Bei jedem Waldspielplatz wird eine nicht bespielte Stelle als Toilettenplatz vereinbart. Für „große Geschäfte“ stehen eine Schaufel und Toilettenpapier zur Verfügung. Das pädagogische Personal ist den Kindern behilflich.

Es gibt kein schlechtes Wetter – es gibt nur falsche Kleidung!

Der Tagesablauf im Waldkindergarten

7.00 Uhr

Die ersten Kinder kommen und werden von den Erzieherinnen begrüßt. Es ist Zeit zum Erzählen und zum Spielen auf dem Gelände. Auch für ein kurzes Gespräch mit den Eltern finden sich ein paar Minuten. Gemeinsam wird unser Bollerwagen für den Tag bestückt. Das Handwaschwasser, Getränke und die für den Tag benötigten Materialien werden eingepackt.

8.00 Uhr

Inzwischen sind alle Kinder eingetrudelt, die Eltern haben sich schon verabschiedet oder bleiben in besonderen Fällen noch einen Moment mit dabei. Im Morgenkreis begrüßen wir uns mit einem Lied oder einem Spiel. Wir zählen alle anwesenden Kinder und überlegen, wer denn eventuell fehlt. Das Tagesprogramm wird angekündigt, die Tagesroute besprochen.

8.20 Uhr

Nach dem Morgenkreis holen wir unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg in den Wald. Unser Weg führt uns auf einem kleinen Fußweg entlang eines schmalen Waldstückes zum eigentlichen Waldgebiet. Wir haben Zeit für diesen Weg, können verweilen, wenn es etwas zu entdecken gibt oder die Kinder schnell ins Spiel finden. Je nach Witterung oder Tagesprogramm suchen wir unsere Plätze im Wald auf.

9.30 Uhr

Nach dieser Phase des Freispiels ist es Zeit, sich zu stärken. Alle Kinder müssen sich die Hände waschen, ein Gang zur Toilette wird angeraten. Wir lassen uns im Kreis nieder, jeder packt seine mitgebrachte Brotzeit und seinen Trinkbecher aus. Nach einem gemeinsamen Verserl, Gebet oder Lied lassen wir uns das Mitgebrachte schmecken. Hier in der Brotzeitrunde ist auch Platz für Gespräche, Bilderbücher oder einem erzählten Märchen. Bei Regenwetter versammeln wir uns unter dem Regendach, im Winter im mit Stroh bestückten Tipi.

10.30 Uhr

Im Anschluss an die Brotzeit haben die Kinder die Möglichkeit, sich an gezielten Angeboten zu beteiligen. Diese erfolgen meist in Kleingruppen. Das Spektrum reicht von Experimenten, Spielen, Basteleien, Kochen, Theaterspielen bis zu kleinen Expeditionen und richtet sich nach dem ausgewählten Rahmenthema. Es bleibt aber immer genügend Zeit für die Kinder, um im freien Spiel all ihre Phantasie umzusetzen und den Wald mit allen Sinnen zu erfahren.

12.00 Uhr

Jetzt ist es Zeit, an den Heimweg zu denken. Alles Mitgebrachte wird wieder eingepackt, überlegt, welche Fundstücke mit nach Hause genommen werden und an welcher Baustelle morgen weitergebaut wird. Am Waldrand versammeln wir uns noch einmal zum Schlusskreis. Hier ist noch Zeit für ein gemeinsames Spiel, für abschließende Gedanken oder ein Gruppengespräch über den Tag. Mit einem Schlusslied verabschieden wir uns von einander und dann geht es hinaus aus dem Wald zurück zum Treffpunkt.

13.00 Uhr

Am Häusl werden die ersten Kinder von den Eltern abgeholt. Die Kinder der Nachmittagsbetreuung nehmen das Mittagessen ein. Im Anschluss daran stehen - je nach Witterung und Kondition - Beschäftigungen und Freispiel im, am und um's Häusl auf dem Programm. Der Naturbezug unserer Einrichtung steht natürlich auch am Nachmittag im Vordergrund.

14.00 Uhr bzw. 15.00 Uhr

Die Nachmittagskinder werden abgeholt.

Ergänzt werden all diese „normalen“ Tage durch Besonderheiten im Jahreskreislauf. Wir feiern natürlich Geburtstage und Jahreskreisfeste wie Ostern, Erntedank oder Weihnachten. Wir freuen uns über Besucher, den Förster oder den Waldbauern und unternehmen Ausflüge.

Was braucht mein Kind im Wald? Die Grundausrüstung

Die wichtigste Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf ist eine geeignete, bequeme und wetterfeste Kleidung, die der jeweiligen Witterung und Jahreszeit angepasst ist. Eltern und Kinder haben meist schnell herausgefunden, welches Kleidungsystem das effizienteste ist. Ein mittlerweile reichliches Angebot an guter Wetterbekleidung erleichtert dies. (Siehe Anhang „Was braucht mein Kind im Waldkindergarten“). Außerdem sind die Kinder ausgerüstet mit einem Rucksack mit Isomatte, einer kräftigen Brotzeit und einer Tasse/Becher für Saftschorle, Wasser oder warmen Tee. Wir legen Wert auf eine gesunde, vollwertige Ernährung. Süßigkeiten sind im Wald nicht erwünscht. Wir freuen uns sehr über eine robuste, wiederverwertbare Verpackung und wollen die Kinder für eine müllfreie Brotzeit sensibilisieren.

Das Waldgefährt - unser Bollerwagen

Ergänzt wird das Ganze durch die Ausrüstung, die die Erzieher*innen im Bollerwagen mit sich führen:

  • Wasserkanister und Flüssigseife
  • Getränke (je nach Jahreszeit Tee, Milch, Wasser oder Apfelsaftschorle)
  • Klopapier und eine kleine Schaufel
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung
  • Handy
  • Ersatzkleidung
  • Lupe, Fotoapparat
  • Bestimmungsbücher
  • sonstiges Arbeitsmaterial

Holz ist ein einsilbiges Wort, aber dahinter verbirgt sich eine Welt der Märchen und Wunder! Theodor Heuß

Teil II - Ziele der pädagogischen Arbeit

Unser pädagogisches Leitbild

„Wen man liebt, den schickt man in den Wald!“ (C. Sandmeyer)

Der Leitgedanke der Waldpädagogik ist, das Kind als vollwertige Persönlichkeit zu respektieren, zu achten und uneingeschränkt wertzuschätzen. Sinnliche Wahrnehmung, Bewegung und Spiel sind die Grundlage der elementaren Bildung. Im „Lernort Natur“, einem der facettenreichsten, interessantesten und erlebnisintensivsten Lernorte überhaupt, lassen sich kindliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen in optimaler Weise fördern und entwickeln.

Grundvoraussetzung dafür, dass ein Wald- oder Naturkindergarten die familiäre Erziehung in geeigneter Weise unterstützt und ergänzt, ist die Freiwilligkeit aller am Waldkindergarten Beteiligten. Zuallererst sollen sich die Kinder wohl fühlen. Aber auch die Eltern, deren Kinder einen reinen Waldkindergarten besuchen, müssen die Betreuung ihrer Kinder nach dem geschilderten Konzept befürworten und unterstützen. Das pädagogische Personal schließlich hat den Arbeitsplatz in einem Wald- oder Naturkindergarten aus eigener Motivation und Interesse heraus für sich gewählt. Erzieher*innen benötigen dann geeignete Arbeitsbedingungen und eine gute körperliche Kondition, um in einem Waldkindergarten arbeiten zu können. Sind diese Bedingungen erfüllt, können sich die Erwachsenen der pädagogischen Arbeit zuwenden.

Kinder sind empfänglich für alles, was ihnen begegnet, und sie nehmen alles so an, wie es ihnen begegnet. Die Aufgabe des Erwachsenen ist, dies zu unterstützen: Er muss Kinder 18 nicht mit Angeboten zum Spiel, zur Kreativität und zur Phantasie anregen. Dies sind bereits ihre Grundbedürfnisse bzw. -anlagen. Kinder haben ihre eigenen Ausdrucksformen, eigenen Zeitrhythmen im Spiel. Sie wollen so frei wie möglich mit Zeit und Raum umgehen und haben auch ein Recht auf Langeweile und Langsamkeit. Kinder wollen die Grenzen ihrer Körperlichkeit erproben, möchten sich zurückziehen und durch ihr Tun Spuren hinterlassen. Sie brauchen Platz für raumgreifende Bewegungsabläufe und realisieren über Körpererfahrung Selbsterfahrung. Durch zu viele Angebote wird die Entwicklung dieser Bedürfnisse eher blockiert, die Spontaneität eingeschränkt. Zu viele Angebote, durch die der Erwachsene lenken will, wie er es für richtig hält, hindern das Kind daran, die Initiative zu ergreifen und aktiv zu werden. Es konsumiert nur noch.

Das Erzieherteam soll stattdessen durch Kontinuität, Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen eine Atmosphäre schaffen, in der die Kindergartenkinder sich wohl fühlen. Dazu können Räume gestaltet werden, die kindgerechtes, vielfältiges und naturnahes Spiel ermöglichen. Für das pädagogische Personal bietet das kindliche Spiel eine Möglichkeit, sich auf das Kind einzulassen und in seine Seele zu blicken. Vom Akteur zum Beobachter wechselnd, begleitet der Erwachsene das Kind in seiner freien Entwicklung und in seinem Leben. Selbstverständlich hat der Erwachsene seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden. Die pädagogischen Fachkräfte sollen sich aber auch als lernende Gruppenmitglieder verstehen. Dann können sie unter anderem von der Natürlichkeit, Spontaneität, Phantasie und Kreativität der Kinder profitieren und ihr eigenes Verhalten auf Grund dessen hinterfragen.

Die menschliche Entwicklung

In Jahrtausende langem Prozess hat der Mensch gelernt, die natürliche Welt zu erkennen und sich mit seinen Sinnen an sie anzupassen. Durch diese Fähigkeit ist er auf die Höhe seiner Entwicklung gelangt. Ebenso sicherte sein Drang, seine Umwelt nach seinen Bedürfnissen zu gestalten, das Überleben und führte zu einer bestimmten Lebensqualität. Diese Bedürfnisse zeigen sich auch noch heute im Spiel der Kinder: beim Bau von Höhlen und Lagern, beim Umleiten eines Bachbettes, beim Sammeln von Materialien oder beim Erfinden einfacher Werkzeuge. Die Individualentwicklung eines Kindes spiegelt sozusagen die Wiederholung der Kulturgeschichte der Menschheit, das Kind erlebt im Spiel die kulturelle Evolution. Dafür ist keine Umgebung besser geeignet, als die ungestaltete freie Natur.

Das kindliche Spiel

Das Spiel ist so alt wie die Menschheit selbst. Kinder kommen mit der Gabe des Spielens zur Welt, es hat als Urbedürfnis einen sehr hohen Stellenwert in der Entwicklung des Menschen. Spiel bedeutet Lebensaneignung, im Spiel erforscht das Kind seine Umgebung, verarbeitet seine Eindrücke und Erfahrungen und kommuniziert darüber mit anderen. Im freien Spiel kann es üben, an seine individuellen Grenzen zu gehen, im selbstgewählten Rollenspiel Verantwortung zu übernehmen, Spannungen auszugleichen, Konflikte auszutragen, Geduld mit anderen zu haben. Hierbei entdeckt es seine Anlagen und Interessen und entwickelt sich sozial, emotional, motorisch, sprachlich und intellektuell. Das Spiel ist die elementare Form des Lernens, freies Spiel beinhaltet immer Lernprozesse, aus Spielsituationen entstehen moderierte Lernaktivitäten. Dabei kommt dem Spiel in der Natur, dem Urspiel, eine besondere Bedeutung zu:

  • Das kleine Kind und die Natur sind eins, das Kind schöpft aus dieser Einheit mit der Natur.
  • Kinder kommen als Spielexperten zur Welt und spielen in den ersten 7 Jahren mit dem ganzen Wesen Seele – Geist - Körper. Diese Lebensphase der Ganzheit und des Urspiels kann nicht mehr nachgeholt werden.
  • Je einfacher die Spielräume und Materialien, umso kreativer wird das Spiel sein, je natürlicher die Spielmaterialien, desto natürlicher wird das Kind wachsen.
  • Das Kind ist in der Natur immer tätig und jede Tätigkeit hat ihren Sinn, Kind und Natur leben immer im Hier und Jetzt.

Der Wald als Erzieher

Nichts in der Natur ist ohne Bedeutung. Aus allem, auch dem Kleinen und Unscheinbaren spricht Würde und Kraft. Das Arbeiten in der freien Natur ist anderen Regeln unterworfen, als die Arbeit in geschlossenen Räumen. Schon gleich nach dem Betreten des Waldes wird der Besucher von einer anderen Atmosphäre umfangen, alle Sinne werden angesprochen. Farben, Geräusche oder Stille, Gerüche, Berührungen regen den kindlichen Geist und seine Phantasie an. Der Wald bietet eine Vielzahl an Bewegungsmöglichkeiten als auch die Chance, verweilen zu können. Im Wald gibt es keine Türen und Wände, Räume müssen selbst erschlossen und Grenzen festgelegt werden. Trotzdem bietet der Wald Schutz und Behaglichkeit, die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Der Wald erscheint uns jeden Tag gleich und bietet doch jeden Tag Neues. Die Änderungen im Jahreslauf sind spürbar, doch werden die Kinder hierbei nicht von einem raschen Wechsel der Umgebung überfordert.

Die Ordnung und Gesetzmäßigkeit der Waldrhythmen besitzen für die Kinder Heilkräfte durch die Erfahrung der Kontinuität, Verlässlichkeit und Sicherheit. Betrachtet man verschiedene Waldkindergärten, so wird man ziemlich rasch feststellen, dass in jeder Einrichtung eine andere Atmosphäre herrscht. Dies ist zum einen natürlich durch die unterschiedlichen Erzieherpersönlichkeiten begründet. Zu einem großen Teil liegt das aber auch an den unterschiedlichen Waldstrukturen – jeder Wald wirkt anders auf seine Besucher und beeinflusst sie in ihrem Verhalten. Dies gilt sowohl für Kinder als auch Erzieher*innen und Eltern. Sie sind gleichermaßen in die Bedingungen des Naturraumes  eingebettet – neugierig, überrascht, verbunden als Erfahrungs- und Lernkollektiv, als Gebende und Nehmende. Als zweckfreie, aber dennoch einflussnehmende Größe gibt der Wald Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit, neue unbekannte Seiten der Persönlichkeit an sich und anderen zu entdecken. Es lohnt sich für den Erziehenden, sich zu fragen, welche Stellung die Natur im eigenen Leben einnimmt, was sie wert ist und was von diesen Werten man bereit ist, den anvertrauten Kinder weiterzugeben.

Ganzheitliches Lernen

Der Mensch, insbesondere das Kind, nimmt die Natur als etwas Ganzheitliches, zu ihm Gehörendes war. Empfindet sie mit seinem ganzen Körper, seiner ganzen Seele und seinem ganzen Geist, also als Einheit. Dieses Eingebunden-Sein in die Natur und das Erleben der wechselseitigen Abhängigkeiten bewirken eine ganzheitliche Harmonisierung von Körper-Geist-Seele, Denken-Fühlen-Handeln. Kinder lernen durch Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen. Sie müssen sich bewegen und ausprobieren können, um sich selbst und ihre Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Das Erleben mit allen Sinnen ist anregender, anschaulicher und nachhaltiger. Die Reize in der Natur sind der kindlichen Entwicklung angemessener, als die oft reizüberflutete Alltagswelt. Das Spielen ohne vorgefertigtes Spielzeug bietet ihnen optimale Entwicklungsmöglichkeiten.

We need the hole body (Anders Szczepanski)
Eyes can see, ears they hear
But hands know bests how it is to touch
Your skin knows best when somebody is close
You need your hole body to learn.

The brain can think and maybe understand
But your legs know best how it is to walk
Your back will know how it feels to carry.
You need your hole body to learn.

If we learn the basics about our planet earth
Then it is not enough with words
We must be able to get in close.
You need your hole body to learn.

 

Wir brauchen den ganzen Körper

Augen können sehen, Ohren hören,
aber Hände wissen am besten, wie es sich anfühlt, etwas zu berühren.
Deine Haut weiß am besten, wenn jemand nah ist.
Du brauchst deinen ganzen Körper, um zu lernen.

Das Gehirn kann denken und vielleicht verstehen,
aber deine Füße wissen am besten, wie es ist zu gehen.
Dein Rücken wird wissen, wie es sich anfühlt zu tragen.
Du brauchst deinen ganzen Körper um zu lernen.

Wenn wir die Grundlagen über unseren Planeten Erde lernen,
dann sind Worte nicht genug,
wir müssen auch fähig sein, ihm ganz nahe zu kommen.
Du brauchst deinen ganzen Körper um zu lernen.

 

Basiskompetenzen

Personale Kompetenzen

Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen, wie sie im Wald in vielfältiger Form möglich sind, bedeuten immer Körpererfahrung und somit auch eine Selbsterfahrung des Kindes. Kinder erleben, dass sie etwas bewirken können. Das äußere Bauen von Hütten, Nestern etc. bewirkt immer gleichzeitig ein inneres Bauen der Kinder an ihrer Persönlichkeit.

Kinder, die in ihrer Kindheit auf Bäume klettern konnten und gelernt haben, hinzufallen, ohne sich zu verletzen, gewinnen Sicherheit und Selbstbewusstsein. Diese positiven Erlebnisse beeinflussen die Grundeinstellung zum Leben maßgeblich. Selbstgewählte Abenteuer oder Herausforderungen stärken das Selbstwertgefühl und schaffen ein stabiles Fundament, um mit Belastungen und Stresssituationen besser umgehen zu können. „Das brauche ich mir nicht zu merken, das habe ich selbst erlebt.“ Neugierde und Forscherdrang sind Kindern angeboren. Die eigenen Kräfte erproben, die Dinge bewegen, untersuchen, auseinandernehmen, nach dem Wie und Warum fragen… Die Wahrnehmung durch Sehen, Hören, Tasten, Schmecken und Riechen ist grundlegend für Erkennens-, Gedächtnis- und Denkprozesse. Die Natur bietet eine Fülle von intensiven und nachhaltigen Sinneseindrücken.

Durch die Vielfalt der sinnlichen Erfahrungen wird der Mensch beweglich an Körper und Geist. Jeder Stock hat eine andere Oberfläche. Modriges Holz riecht anders als frisch geschlagenes. Die Geräusche des Waldes, seine Farbenpracht oder die Geschmacksvielfalt seiner Früchte - diese  Eindrücke prägen sich tief in das Gedächtnis des Kindes ein. Der Erwerb von Natur- und Sachwissen, z.B. über Tiere, Pflanzen, Wetter erfolgt aus erster Hand durch unmittelbares Erleben. Zusammenhänge, Analogien oder vernetztes Denken sind ständig präsent und werden von den Erzieher*innen erklärend oder fördernd unterstützt. Das „Spiel“ mit der Natur ohne vorgefertigte Materialien bietet den Kindern die Möglichkeit, die eigene Phantasie einzusetzen und zu entwickeln.

Durch minimale Vorgaben im Material bleibt maximaler Raum für die Entwicklung eigenen Ausdrucks und eigener Bilder. In der Natur und an der frischen Luft haben die Kinder optimale Gegebenheiten, sich ausreichend und mit viel Freude und Lust zu bewegen. Sie können laufen, hüpfen, balancieren, kriechen, klettern, von selbst wieder ins „Verweilen“ kommen, sich eine Pause gönnen oder in eine andere Spielform wechseln. Diese grobmotorischen Erfahrungen bilden die Grundlagen für die Entwicklung der Feinmotorik, deren Förderung in der Natur in vielfältiger Weise angeregt wird, z.B. Umgang mit Blättern, Flechtarbeiten mit Gräsern usw. Hygienische und präventive Maßnahmen (Händewaschen, Sonnenschutz usw.) werden von den Kindern an sich selbst als wichtig erfahren.

Kompetenzen zum Handeln im sozialen Kontext

Gute Beziehungen, die durch Sympathie und gegenseitigen Respekt, Offenheit und Wertschätzung gekennzeichnet sind, sind die Basis für das soziale Lernen des Kindes. Die Vorbildfunktion der Pädagog*innen und der empathische Kontakt zu jedem Kind ist hierbei von besonderer Bedeutung.

Die Vermittlung von Grundlagen unseres eigenen Kulturkreises stärkt die Kinder und gibt ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl. Sie können sich verwurzelt fühlen. Aus dieser Sicherheit heraus können andere Kulturkreise mit großer Neugierde und Offenheit erkundet, kennengelernt und vorurteilsfrei als gleichwertig akzeptiert werden. In der Natur mit ihren Verstecken und Nischen sind vielfältige Erlebnisse möglich, bei denen sich die Kinder gegenseitig helfen und die Zusammengehörigkeit der Gruppe stärken.

Sie machen immer wieder die Erfahrung, dass manche Aktionen, wie z. B. Baumstämme transportieren, nur gemeinsam bewältigt werden können. Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft nehmen zu, das Verständnis für andere Kinder wächst. Die Zugehörigkeit zu anderen Kulturkreisen wird hier nebensächlich, es zählt das Miteinander. Viele Initiativen der Kinder müssen untereinander und auch mit den Erzieher*innen abgesprochen werden. Sie lernen, ihre eigenen Interessen zu vertreten, die Meinungen 23 der anderen gelten zu lassen, zuzuhören und Geduld zu entwickeln. Hier entstehen Kontakte und Kommunikation, Konflikte werden gelöst. Die Erzieher*innen beobachten, regen an und erkennen, wann Hilfestellung nötig ist. Grenzen werden auf natürliche Art und Weise erlebt, z.B. den spitzen Stock richtig handhaben, an den Haltestellen warten, usw. Der Umgang mit Normen und Regeln ist in einem Kindergarten ohne Türen und Wände von besonderer Bedeutung. Die Einhaltung der Regeln ist sehr wichtig und sie müssen für die Kinder einsichtig sein, z.B. in Ruf- und Hörweite bleiben. Regeländerungen sollten zusammen mit den Kindern überdacht werden. Das Spiel im Wald ist auch geprägt von Rücksicht und Verantwortung für die Natur. „Wir sind Gast im Wald“.

Lernmethodische Kompetenz

Sie ist die Grundlage für einen bewussten Wissens- und Kompetenzerwerb und der Grundstein für lebenslanges, selbstgesteuertes Lernen. Synapsen bilden sich im Gehirn des Kindes vor allem dann, wenn es selbstwirksam, selbstbildend und aktiv beteiligt ist. Kinder im Naturraum haben den Anspruch und die Möglichkeiten, grundlegendere Erkenntnisse über ein Sachgebiet, einen Gegenstand oder komplexe Vorgänge zu gewinnen. Bildung im Waldkindergarten heißt, forschendes Lernen in Sinnzusammenhängen. Die Prozesse des jahreszeitlich bedingten Werdens und Vergehens werden intensiv erlebt und machen im höchsten Maße neugierig.

Diese starken sinnlichen Wahrnehmungen des Kindes in der Natur sorgen für eine besonders intensive Verankerung des Erlebten/Erfahrenen im Langzeitgedächtnis. Die Echtheit von Primärerfahrungen, das Angesprochen-Sein aller Sinne, schafft emotionale Bezüge, die Anlass sind, viele Fragen zu stellen. Hier haben Sachinformationen ihren Platz. Viele Bildungsanlässe können gerade im Naturraum ohne großen Aufwand initiiert werden. Den Focus des Interesses auf etwas Neues zu lenken, macht neugierig auf mehr und mit der Menge des Wissens steigt die Zahl der Fragen der neuen Weltenentdecker*innen. Der Wald bietet einerseits viel Anregung für die kindliche Entwicklung, andererseits ist er weniger reizüberflutend als die Alltagswelt und schafft somit eine sehr gute Grundlage zur Entwicklung von Konzentration und Ausdauer. Lernen ist somit Bestandteil der gesamten Erfahrungswelt des Kindes. Lernen wird nicht als etwas Zusätzliches im Leben der Kinder, sondern als integraler Bestandteil erfahren

Kompetenter Umgang mit Veränderungen und Belastungen

Widerstandsfähigkeit ist die Grundlage für positive Entwicklung, Gesundheit, Wohlbefinden und hohe Lebensqualität sowie der Grundstein für einen kompetenten Umgang mit Veränderungen. Kinder, die den Umgang mit Belastungen und Veränderungen meistern, gehen aus dieser Erfahrung gestärkt hervor und schaffen günstige Voraussetzungen, auch künftige Anforderungen gut zu bestehen. Zu den Aufgaben der Erzieher*innen gehört, die Potentiale zu fördern und bei Problemen Hilfestellungen zu geben Naturraum-Pädagogik lebt von „unfertigen Situationen“, sucht die Balance zwischen Wagnis und Sicherheit. Bäume zu erklettern zählt z.B. zu den natürlichen Herausforderungen.

Verantwortbare Grenzerfahrungen stärken das Selbstbewusstsein des Kindes und geben ihm die Chance, seine Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Solche Grenzerlebnisse im körperlichen Bereich schaffen ein stabiles Fundament, um auch mit psychischen Belastungs- und Stresssituationen besser umgehen zu können. In der Natur finden die Kinder Bewegungsanlässe, die sie auf die Probe stellen und sie mit täglich neuen Erfahrungen konfrontieren. Da die Natur in einem ständigen Wandel begriffen ist, muss sich das Kind stets auf veränderte Bedingungen einstellen. „Wind und Wetter“ ausgesetzt zu sein, fördert nicht nur die Gesundheit, sondern vermittelt intensive, persönlich prägende Erfahrungen. Im Wald finden und gestalten die Kinder Rückzugsmöglichkeiten, um zu sich selbst zu finden. Der Umgang und die Auseinandersetzung mit Naturmaterialien, wie sie im Wald in ihrer ursprünglichen Form zu finden sind, haben auf die Kinder beruhigende und ausgeglichene Wirkung. Im wahrsten Sinne „erdend“ und zentrierend.

Übergänge des Kindes

Übergänge sind zeitlich begrenzte Lebensabschnitte und Phasen beschleunigten Lernens, in denen markante Veränderungen geschehen. Übergänge bergen Chancen und Risiken. Es sind Brücken zwischen bestimmten Lebensabschnitten. Wer bei einem Übergang diese Brücke betritt, verlässt Gewohntes und Vertrautes. Gelungene Übergänge ermöglichen es Eltern und Kindern zu wachsen und ein positives Selbstbild in einer neuen Rolle (als Kindergartenkind, als Eltern eines „großen“ Kindergartenkindes) zu entwickeln.

Übergang Elternhaus – Kindergarten

Für die dreijährigen Waldkindergartenkinder ist es oft das erste Mal, dass sie sich regelmäßig für einige Stunden lösen und eigene Wege in einer neuen Umgebung gehen.

Wie werden im Waldkindergarten diese Übergänge gestaltet:

Um die neue Umgebung kennenzulernen, begleiten die Eltern die neuen Waldlauser in den ersten Tagen. Eltern und Kinder haben in dieser Übergangsphase Zeit, sich mit ihrem neuen Lebensabschnitt vertraut zu machen und Ängste zu überwinden. Es besteht zudem die Möglichkeit, schon vorab in den Sommermonaten mehrere Schnuppertage wahrzunehmen, um sich mit den Abläufen des Waldkindergartens vertraut zu machen. Nach den ersten gemeinsamen Tagen, kann die Anwesenheit der Eltern nach und nach verkürzt werden – das Kind bleibt ab der Brotzeit allein, oder fängt alleine an und die Eltern kommen später dazu.

Im ständigen Dialog zwischen Eltern und Erzieher*innen gilt es, ein für beide Seiten stimmiges Prozedere zu finden.

Für das Kind

  • Zeit, Ruhe und Hilfe für die Kinder, um auf die individuellen Bedürfnisse eingehen zu können (Toilette, Gebrauch von Rucksack etc.) und um Kontakte unter den Kindern anzubahnen und zu begleiten.
  • Annehmen und begleiten im Trennungsschmerz
  • Räumliche Konstanz (nur wenige, gleichbleibende Plätze aufsuchen)
  • Rituale, die Sicherheit und Orientierung geben (Morgenkreis, Hände waschen, Brotzeit, Abschluss)
  • Übergangsobjekte zulassen (Schmusetiere, Kummerstein….)
  • Bei kalter Witterung auf genügend Bewegung achten
  • Zeitliche, stundenweise Steigerung des Kindergartenbesuches

Für die Eltern

  • Vertrauensbasis schaffen durch Informationsveranstaltungen, Schnuppertage, Einblick in die Arbeit
  • Gemeinsamer Start in den Tag (Morgenkreis mit Eltern und Kindern).
  • Den Eltern die Möglichkeit bieten, das Kind so lange wie nötig zu begleiten
  • Hilfestellung bei der Trennung geben
  • Viel Zeit für Gespräche und Feedback über das Verhalten des Kindes während der Kindergartenzeit

Übergang Kindergarten – Schule

Kinder sind sehr motiviert. Sie wollen lernen. Der Eintritt in diese Lebensphase ist sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern mit Unsicherheit verbunden. Übergänge werden durch Vertrautes erleichtert. Durch eine intensive Förderung der Basiskompetenzen wie z.B. Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein bereiten wir die Kinder vom ersten Tag an auf das Leben – und die Schule vor. Eine intensive Beobachtung der individuellen Entwicklung während der gesamten Kindergartenzeit hilft dem Erzieherteam, das Kind gut und unterstützend zu begleiten. Die Identifikation als Vorschulkind und das Zelebrieren des Kindergartenabschlusses mit Fahrten, Aktionen und einer Übernachtung im Häusl sind lang ersehnte Momente eines Kindergartenkindes.

Der Wald legt das Lauschen nahe. Hermann Hesse

Vorbereitung auf die Schule

Wie sieht Vorschularbeit im Wald aus? Gibt es Mappen, Vorschuleinheiten, Sprachprogramme? Die Eltern sind oft verunsichert. Die Natur bietet ein breites Feld für unmittelbare Lernerfahrungen. Die Vorbereitung auf die Schule beginnt mit dem ersten Tag im Wald. Hier wird begonnen, ein gutes Fundament zu legen. Im letzten Jahr vor der Einschulung wird hierauf durch vielerlei „Extrawurstaktionen“ für die Vorschulkinder aufgebaut. Wir können bei diesen Angeboten auf die reichhaltigen Möglichkeiten der Waldpädagogik zugreifen. Der Einsatz von sogenannten Vorschulmappen gehört nicht dazu!

  • Strukturierendes Element der Waldkindergartenarbeit ist der jahreszeitliche Rhythmus. Die Abläufe im Naturkreislauf werden unmittelbar erlebt. Die Besonderheiten der einzelnen Jahreszeiten bieten Raum für viele Experimente und Forschungsmöglichkeiten. Die Kinder werden durch die Wiederholung gefestigt und können altes und neues Wissen verknüpfen.
  • Die Kinder haben im Naturraum Platz für raumgreifende Bewegungen. Sie erleben dadurch ihre körperlichen Möglichkeiten und Grenzen. Die Natur bietet eine Vielfalt an Bewegungsanlässen und –möglichkeiten. Ideale Bedingungen zur Förderung der Psychomotorik.
  • Über eine fundierte Stärkung der Grobmotorik wird auch die Feinmotorik sensibilisiert und gefördert. Der sichere Umgang mit Werkzeugen, Stiften und Schere gehört natürlich mit dazu.
  • Alle Sinne des Kindes – Fühlen, Hören, Riechen, Schmecken und Sehen - werden in einer Differenziertheit angesprochen, die der Vielfalt der natürlichen Umgebung entspricht.
  • Durch eigenständiges Erproben, Untersuchen, Experimentieren, Erfinden und Erleben wird der Geist des Kindes angeregt und gefördert.
  • Zur ganzheitlichen Erziehung im Waldkindergarten gehören die rhytmischmusikalische Erziehung, das Erleben von Brauchtum, religiösen Festen und die Vermittlung von Kulturgut wie Märchen.
  • Die künstlerische-ästhetische Förderung greift vorwiegend auf Materialien aus der Natur zurück. Die Phantasie des Kindes kann sich hier frei entfalten. Kreativität und künstlerischer Ausdruck durch Malen und freiem sowie angeleitetem Gestalten wird gefördert.
  • Sprache und Theater bieten viele Möglichkeiten der Verwirklichung. Hier haben versteckte Talente die Chance sich zu zeigen.
  • Musik, Gesang und tänzerische Umsetzung laden zur kreativen Umsetzung ein.
  • Stille wird erfahrbar und sensibilisiert für die „Stimme der Natur“ und das gesprochene Wort.
  • Feuer, Wasser, Luft und Erde gehören zu den existentiellen Lebensgrundlagen des Menschen. Das Erleben der Elemente und der sichere Umgang mit ihnen sind wesentlicher Bestandteil des Waldalltags.
  • Mathematik und Physik sind allgegenwärtig und sind beständig im Spiel der Kinder präsent. Es gilt ihnen, diese Zugänge zu öffnen und bewusst zu machen.
  • Das Einüben von „Lebenspraktischen Übungen“ vermitteln den Kindern alte und neue Kulturtechniken und geben ihnen praktische Fähigkeiten an die Hand.
  • Die wechselnde Witterung bereichert den Waldalltag und fördert das Durchhaltevermögen.
  • Jedes Mitglied der Gruppe ist im besonderen Maße als Helfer und Wissensvermittler gefordert. Auf der Basis des aufeinander Angewiesenseins wird die soziale Kompetenz der Gruppe und des einzelnen gestärkt. Eingefahrene Verhaltensmuster können geändert, neue eingeübt werden.
  • Das Kind erfährt sich selbst als Teil der Schöpfung, als Teil des Ganzen. Aus dem Gefühl der Geborgenheit erwachsen Verantwortung und Respekt für die Natur und der Lebensgrundlagen. Die Kinder erkennen, dass das Verhalten jedes Einzelnen globale Auswirkungen hat.

Vorkurs Deutsch 240

In Zusammenarbeit mit der Schule und dem Kinderzentrum St. Nikolaus haben Kinder des Waldkindergartens die Möglichkeit an diesem Angebot teilzunehmen. Es besteht für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund, die einen zusätzlichen Unterstützungsbedarf beim Erwerb der deutschen Sprache haben. Der Zeitrahmen umfasst ca. 15 Monate. Der Wohnort des Kindes ist hierbei nicht maßgeblich. Die Anmeldung und Durchführung der Sprachförderstunden erfolgt über die Grundschule Altfraunhofen. Die Förderstunden finden einmal wöchentlich im Kinderzentrum St. Nikolaus statt.

Begleitung der Eltern

Sie erfolgt nach dem Motto: „Schau, dein Kind wird groß“! Regelmäßige Elterngespräche über den Entwicklungsstand des Kindes sollen Sicherheit geben und die Loslösung unterstützen. Bei Defiziten, die nicht im Kindergarten aufgefangen werden können, empfehlen wir die Eltern an entsprechende Beratungsstellen weiter. Mit einem von und für die künftigen Schulkinder gestalteten Fest verabschieden wir uns von Kindern und Eltern.

Kooperation mit der Schule

Durch regelmäßige Treffen zwischen Waldkindergarten und Schule während des letzten Kindergartenjahres, wird der Kontakt zwischen Kindern, Erziehern und Lehrern aufgebaut und gestärkt. Gegenseitige Besuche, Einladungen zu Festen oder Theateraufführungen, schaffen Vertrautheit und wecken die Neugierde auf den neuen Lebensabschnitt. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Erzieher*innen und Lehrkräften über die Einschulung hinaus, können für die Kinder gute Startmöglichkeiten geschaffen werden. Derzeit laufen Planungen für gemeinsame Projekte im Wald, bei denen die Schulkinder gemeinsam mit den größeren Kindergartenkindern zu ausgesuchten Themen experimentieren und forschen.

Kooperation mit dem Kinderzentrum St. Nikolaus

In freundschaftlicher Zusammenarbeit mit dem kirchlichen Kinderzentrum St. Nikolaus lernen sich die künftigen Klassenkamerad*innen schon im Vorfeld kennen. Bei wechselseitigen Besuchen in der jeweils anderen Einrichtung können sich die Vorschulkinder schon ein bisschen beschnuppern und den Gästen die Besonderheiten ihres Kindergartens zeigen und erklären. Diese Besuche finden nach Möglichkeit im Wechsel einmal monatlich statt und werden von allen Beteiligten als sehr bereichernd empfunden.

Sage es mir, und ich werde es vergessen.
Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten.
Lass es mich tun, und ich werde es können.
Konfuzius *551 v. Chr. †479 v. Chr.

Qualitätsentwicklung

Lernen ist auch für uns als Einrichtung ein lebenslanger Prozess, der sich ständig in Bewegung befindet. Darum überprüfen, hinterfragen und entwickeln wir unsere Arbeit am Kind, mit den Eltern und im Lebensraum Wald ständig und nachhaltig. So wollen wir die hohe Qualität in unserer Einrichtung sichern und fortschreiben. Dafür bedarf es eines fundierten Reflektionsprozesses, einer Offenheit für Anregungen und Neuerungen, aber auch einer nachsichtigen, fehlerfreundlichen Kultur. Denn aus unseren Fehlern können wir lernen! Kinder, Eltern und Erzieher*innenteam sollen sich mit ihren Anliegen, Wünschen und Ideen einbringen können. Eine enge vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat und dem Träger erleichtern diese ständige Weiterentwicklung. Zur Umsetzung unserer beständigen Qualitätsentwicklung nutzen wir mehrere Elemente:

Dokumentationen

Es werden täglich Statistiken über Kinderzahl, Wetter, Zeckenbisse geführt. Über durchgeführte Angebote und Aktionen der Kinder während der Freispielzeit wird ein Tagebuch geführt. Eltern werden über die Aktivitäten im Wald in regelmäßigen Abständen mittels Elternbrief und auf Elternabenden informiert. Auf der Homepage des Waldkindergartens werden Berichte und Bilder aus dem Kindergartenalltag veröffentlicht.

Planung im Team

In regelmäßigen Abständen wird ein Rahmenplan erstellt, dessen Umsetzung sich über mehrere Wochen oder Monate erstreckt.. Einmal wöchentlich findet eine Teamsitzung statt. Hier wird auch die eigene pädagogische Haltung, sowie die Haltung des Teams geprüft, hinterfragt sowie sich gegenseitig Rückmeldung über die pädagogische Arbeit gegeben. Aktuelle auftauchende Problematiken werden nach Möglichkeit sofort besprochen. Jährlich finden für das Team Mitarbeitergespräche, Belehrungen, Hospitationen in anderen Einrichtungen, Fortbildungen und Sicherheitsschulungen statt.

Beobachtungen am Kind

Während der Freispielzeit ergeben sich viele Möglichkeiten zur Beobachtung einzelner Kinder – auch über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Beobachtungen werden in den empfohlenen Beobachtungsbögen Perik, Sismik und Seldak festgehalten und dienen der gezielten Förderung des betroffenen Kindes und als Grundlage für Elterngespräche.

Zusammenarbeit mit den Eltern

Bildung und Erziehung von Kindern ist die Aufgabe aller Beteiligten – der Familien und der pädagogischen Fachkräfte. Eltern sind Experten für ihr Kind, Informationsträger und Impulsgeber. Die Zusammenarbeit vor Ort und eine sensible Wahrnehmung der elterlichen Ressourcen werden im Sinne einer gleichwertigen Erziehungspartnerschaft gestärkt. Ein regelmäßiger, konstruktiver Austausch über pädagogische Inhalte ist ein Muss. Grundlage der Gespräche mit der Elterngemeinschaft wie auch mit Einzelnen ist ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis zueinander. In gegenseitigem Respekt und mit Toleranz sollte Auffälliges und Störendes sofort angesprochen werden. Dadurch lassen sich ungute Gefühle rechtzeitig äußern bzw. erkennen, wodurch größere Probleme vermieden oder Ängste bewältigt werden können. Hierbei sind klare Strukturen und Aufgabenverteilungen hilfreich. Unverzichtbar ist diesbezüglich die Bildung eines Elternbeirats. An Elternabenden, mittels Elternbriefen und Aushängen am Häusl fließen sachliche, zweckdienliche Informationen. Auch die tatkräftige Unterstützung durch die Eltern ist besonders wichtig. Bei Festen, Öffentlichkeitsarbeit, handwerklichen Einsätzen u.v.m. ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten unverzichtbar.

Elternbefragung

Um eine unbefangene Rückmeldung über unsere Arbeit zu erhalten, führen wir jährlich eine anonyme Elternbefragung durch. Hierbei handelt es sich um einen Fragekatalog zum täglichen Geschehen. Es besteht die Möglichkeit, eigene Wünsche, Anmerkungen, Kritik anzubringen.

Elternnotdienst

Bei Krankheit und Ausfall der pädagogischen Kräfte kann im eigentlichen Kindergartenbetrieb die Mitarbeit von Eltern in Form von Elternnotdiensten notwendig werden. Diese Option kommt aber nur im äußersten Notfall zum Tragen.

Elternmitgehtag

Einmal im Monat wird zum Elternmitgehtag eingeladen. Wer Zeit und Lust hat, an diesen Tagen teilzunehmen, kann einen Einblick in die täglichen Abläufe, die Spiele und Besonderheiten des Kindergartenalltags gekommen.

Ziel einer intensiven Elternzusammenarbeit ist, die Erziehungsarbeit transparent zu machen und die Eltern am Kindergartengeschehen teilhaben zu lassen. Die Elternarbeit der Erzieher*innen umfasst selbstverständlich neben der allgemeinen Information auch die fundierte Beratung der Eltern über den Entwicklungsstand, Stärken, Schwächen und Möglichkeiten ihres Kindes sowie das eventuelle Einleiten unterstützender Schritte.

Beschwerdemanagement im Waldkindergarten

Mit dem Unterschreiben des Bildungs- und Betreuungsvertrages geben die Eltern grundsätzlich ihr Einverständnis zu unseren Rahmenbedingungen und akzeptieren unser Einrichtungskonzept. Dennoch lautet unser Grundsatz: Beschweren ist erwünscht! Beschwerde ist ein sehr negativ besetztes Wort, wir sehen darin durchaus Positives.

Denn Beschwerden bergen natürlich vor allem Verbesserungsvorschläge, Anregungen, Anfragen und nicht nur Kritik. Beschwerden können im Waldkindergarten von allen Beteiligten ausgedrückt werden: Eltern, Kindern, Mitarbeiter*innen, Träger. Unsere Aufgabe ist es, die Belange ernst zu nehmen und den Beschwerden nachzugehen. Unser Ziel ist es, Lösungen zu finden, die alle Beteiligten mittragen können. Grundlage hierfür ist ein partnerschaftlicher, offener und vertrauensvoller Austausch in einer wertschätzenden Atmosphäre. Als Ansprechpartner kommen alle Personen unseres Waldkindergartens in Betracht. Unser Beschwerdeverfahren soll vielfältige Entwicklungschancen für unsere Einrichtung aufzeigen, von denen alle Beteiligten profitieren können.

Gerade für Kinder ist dies ein sehr wirksamer Erkenntnisprozess. Kinder, die lernen, sich selbstbewusst für ihre Rechte und Bedürfnisse einzusetzen und sich dabei wertgeschätzt und wirksam fühlen, sind besser vor Gefährdungen geschätzt. Damit ist die Entwicklung von Beschwerdemöglichkeiten ein wichtiger Beitrag zu Gewaltprävention und zum Schutz der Kinder. Laut dem am 1. Januar 2012 in Kraft getretenem Bundeskinderschutzgesetz ist Kindern neben einem Beteiligungsrecht auch ein Beschwerderecht einzuräumen.

Um den Kindern den nutzbringenden Umgang damit nahezubringen, ist ein achtsames, feinfühliges und wertschätzendes Verhalten seitens des pädagogischen Personals erforderlich. Unser ausführliches Beschwerdeverfahren befindet sich im Anhang dieser Konzeption.

Schutzauftrag nach Paragraf 8a SGB VIII

Tageseinrichtungen für Kinder haben die Aufgabe, die Entwicklung von Kindern zu fördern und sie zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu erziehen. Dazu gehört auch, Kinder vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen. Die Mitarbeiter*innen sind insbesondere verpflichtet, jedem Anschein von Vernachlässigungen, Misshandlungen und sexuellem Missbrauch von Kindern nachzugehen. Insbesondere mit der Einführung des Paragrafen 8a SGB VIII (8. Sozialgesetzbuch) erhielt der Kinderschutz nochmals eine besondere Beachtung. Das Jugendamt hat den gesetzlichen Schutzauftrag und die Verantwortung für die Abwendung von einer Gefährdung des Kindeswohls. Die Träger von Kindertageseinrichtungen und das Jugendamt sind dabei im Interesse der zu schützenden Kinder zu einer engen und kooperativen Zusammenarbeit verpflichtet. Ziel ist es, im Zuge einer engen Zusammenarbeit der helfenden Instanzen, den betroffenen Kindern und ihren Familien Unterstützung, Hilfestellung und Schutz zugeben. Zum Wohl des Kindes gilt es, eine einvernehmliche, die Gefährdung abwendende, Lösung herbeizuführen.

Vernetzungsarbeit/Öffentlichkeitsarbeit

Als eine der Bildungsinstitutionen in der Gemeinde Altfraunhofen liegt es in unserem Interesse, guten Kontakt zu anderen Einrichtungen aufzubauen, zu pflegen und mit diesen nachhaltig und konstruktiv zusammenzuarbeiten. Zu diesen Einrichtungen zählen wir:

  • Kindergarten St. Nikolaus Altfraunhofen
  • Bücherei Altfraunhofen
  • Grundschulen in Altfraunhofen, Vilsheim, Landshut, Kumhausen und Geisenhausen
  • Montessorischule Geisenhausen
  • Mutter-Kind-Gruppen
  • Frühförderdienste
  • Logopäden und Ergotherapeuten
  • Fachakademien in Mühldorf und Landshut
  • Kinderpflegeschule in Landshut
  • Kirchen
  • Presse
  • Kinderärzte
  • Landratsamt Landshut (Kreisjugendamt, Gesundheitsamt)
  • Örtliche Vereine
  • Waldkindergärten der Region Landshut
  • Forstamt
  • Landesverband der Waldkindergärten in Bayern
  • Umweltstation Landshut
  • Waldbesitzer

Um sich einen unmittelbaren eigenen Eindruck von der Waldpädagogik machen zu können, ist es sehr sinnvoll, interessierte Eltern, die Presse oder auch Klassen von Fachakademien für Sozialpädagogik zu Besuchen und Hospitationen in den Waldkindergarten einzuladen. Praktikanten erhalten die Möglichkeit zum Einsatz.

Rechtliche Grundlagen - Bildung, Erziehung, Betreuung und Kinderschutz!

Folgende rechtliche Grundlagen sind für uns verbindlich und maßgeblich für unser pädagogisches Handeln:

  • Achtes Sozialgesetzbuch (SGB VIII) § 22 Grundsätze der Förderung § 8a Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung
  • Bayerisches Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz (BayKiBiG) Art. 10 Auftrag zur Bildung, Erziehung und Betreuung in Kindertageseinrichtungen

Folgende Grundlagen sind für uns handlungsleitend:

  • Ausführungsverordnung des Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes (AV BayKiBiG) § 14 Aufgaben des pädagogischen Personals und des Trägers
  • Bayerische Bildungsleitlinien (BayBL) Notwendigkeit und Geltungsbereich gemeinsamer Leitlinien für Bildung

Bayerischer Bildungs- und Erziehungsplan (BayBEP)

 

Über die Erde (Martin Auer)

Über die Erde, über die Erde sollst du barfuß gehen.
Zieh dir die Schuhe aus, Schuhe machen dich blind.
Du kannst doch den Weg mit deinen Zehen sehen.
Auch das Wasser und den Wind.

Sollst mit den Sohlen die Steine berühren, mit ganz nackter Haut.
Dann wirst du bald spüren, dass die Erde Dir vertraut.
Spür das nasse Gras unter deinen Füßen Und den trockenen Staub.
Laß dir vom Moos die Sohlen streicheln Und fühle das Knistern im Laub.

Steig hinein, steig hinein in den Bach
und lauf aufwärts dem Wasser entgegen.
Halt dein Gesicht unter den Wasserfall
Und dann sollst du dich in die Sonne legen.
Leg deine Wange auf die Erde, riech ihren Duft und spür,
wie aufsteigt aus ihr eine ganz große Ruh.
Und dann ist die Erde ganz nah bei dir,
und du weißt, du bist ein Teil von allem
und gehörst dazu.

 

Teil III - Themenbezogene Bildungs- und Erziehungsbereiche Umsetzung der Ziele des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans

Wertorientierung und Religiosität

Im Waldkindergarten können die Kinder sehr bewusst und ganzheitlich religiöse Grundeinstellungen erwerben. Durch den täglichen Aufenthalt im Freien entsteht bei den Kindern eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Dies macht es den Kindern möglich, die Grundhaltungen des Staunens, Dankens und Bittens auf natürlichste Weise zu erfahren. Im Erleben der Vielfalt der Schöpfung entsteht eine Wechselwirkung zwischen Gefühlen der Geborgenheit, des Vertrauens und Trostes einerseits, sowie der Wertschätzung der Natur und des Lebens andererseits. Aus diesem Empfinden heraus lernen die Kinder für ihren weiteren Lebensweg, Verantwortung für sich, ihr Handeln und dessen Folgen zu übernehmen.

Auch den Prozess des Werdens und Vergehens erleben die Kinder in der Natur immer wieder aufs Neue. Über Fragen der Sinngebung, die sich aus solchen Situationen ergeben, kann man mit den Kindern dann gut philosophieren. Jeden Tag meistern die Kinder im Wald neue Herausforderungen und finden für verschiedenste Probleme kreative Lösungen. Sie müssen Misserfolge verkraften und lernen während des Spiels mit anderen Kindern ihre eigenen Stärken und Schwächen kennen. Durch diese intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Körper kann sich jedes Kind als individuelle Persönlichkeit erleben und ein positives Selbstbild entwickeln. Diese positive Einstellung zu sich selbst ist eine grundlegende Voraussetzung für die Entwicklung moralischer Werte. Denn erst, wenn ich mich selbst achte, kann ich auch andere mit ihren Stärken und Schwächen akzeptieren und tolerieren. Im Waldkindergarten ist es besonders wichtig, dass die Kinder einander helfen, aufeinander achtgeben und aufeinander warten können, denn nur so kann der Alltag im Wald gemeinsam bewältigt werden. Von Anfang an erleben die neuen Kinder dieses System und beginnen sehr schnell, diese Handlungsweisen zu übernehmen. Sie entwickeln so im Laufe der Zeit viele soziale Kompetenzen, wie Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen u.v.m. In einer spielzeugfreien Umgebung erkennen die Kinder leichter, was im Leben wirklich wichtig ist und zu ihrer Zufriedenheit beiträgt. Dem Konsumdenken unserer Gesellschaft wird entgegengewirkt. Das Vorbereiten und Feiern von religiösen Festen ergibt sich im Jahreslauf wie von selbst. Biblische Geschichten und Erzählungen aus anderen religiösen Kulturkreisen oder Dankgebete zur Brotzeit und im Schlusskreis ergänzen das Angebot.

Emotionalität, soziale Beziehungen und Konflikte

Um Kinder in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung unterstützen zu können, ist es von besonderer Bedeutung, dass eine Basis des Vertrauens zwischen dem pädagogischen Personal und dem Kind geschaffen wird. Hierbei leistet die Natur große Hilfe, beim Aufenthalt im Freien gelingt es sehr schnell, Kontakte zu knüpfen. Das Spiel in der Natur begeistert die Kinder so sehr, dass ihre Ängste in den Hintergrund treten und sie so ungezwungener auf andere zugehen und sich mit Leib und Seele dem Spiel widmen können. Im Laufe des Kindergartenjahres entstehen zwischen einzelnen Kindern intensive Kontakte. In einer Kindergartengruppe treffen viele Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle der einzelnen Kinder zusammen. Immer wieder müssen Kinder, zu Gunsten anderer, ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen. Dies fällt ihnen oft noch schwer und löst Gefühle wie Wut, Verzweiflung, Trauer oder Zorn aus. Mit Unterstützung, Verständnis und Trost des Erwachsenen oder anderer Kinder gelingt es ihnen, diese Situationen zu bewältigen. Hierbei lernt das Kind seine Gefühle zu verstehen, zu äußern und mit ihnen umzugehen. In der Waldgemeinschaft erlebt das Kind aber nicht nur negative, sondern vor allem positive Gefühle, wie Freude, Zusammengehörigkeit, Zuneigung usw. Im Wald können die Kinder ihre Gefühle fast uneingeschränkt zum Ausdruck bringen. Im Wald stört es nur selten, wenn ein Kind vor Freude herumspringt und jubelt oder vor Wut schreit oder seine Aggressionen im wilden Lauf abreagiert. Der Aufenthalt im Wald fordert von den Kindern eine Vielzahl von sozialen Kompetenzen. So müssen sie beispielsweise auf dem täglichen Weg an den jeweiligen Haltestellen aufeinander warten, sich in demokratischer Abstimmung auf einen Platz einigen, aufeinander achten und einander helfen. Während der Freispielzeit entwickeln sich täglich Projekte, bei denen mehrere Kinder zusammenhelfen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Beim Bau einer großen Hütte fallen verschiedene Aufgaben an, einige Kinder besorgen das Material, andere fungieren als Architekten oder Innenausstatter oder können gut mit Werkzeug umgehen. Alle erleben dabei, welche Vorteile und wie viel Spaß eine gemeinsame Aktion bringt. Natürlich kommt es in einer Gruppe von Kindern immer wieder zu Konflikten. Aufgabe der Kinder ist es, Konflikte lösen zu lernen und Kompromisse zu schließen. Je nach Alter und sozialer Kompetenz des jeweiligen Kindes ist die Unterstützung durch Erwachsene nötig. Ziel des pädagogischen Personals ist, die Kinder zu motivieren, ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, anderen Kindern zuzuhören, um dann gemeinsame Lösungen für auftretende Konflikte zu finden. Mit Bilderbüchern, Rollenspielen, Puppentheater etc. wird dieser Prozess unterstützt.

Sprache und Literacy

Die Entwicklung der Sprachkompetenz ist eine wesentliche Voraussetzung, um mit der Umgebung in Kontakt zu kommen und erfolgreich am alltäglichen Miteinander teilzuhaben. Durch das Fehlen vorgefertigten Spielmaterials sind die Kinder wesentlich stärker auf eine gute Kommunikation angewiesen. („Ist der Fichtenzapfen nun ein Motorrad, eine Kuh oder vielleicht Zahlungsmittel?“) Schon auf dem gemeinsamen Weg nützen die Kinder die Gelegenheit, wichtige Neuigkeiten, Erlebnisse aus der Familie oder Entdeckungen am Wegesrand mitzuteilen. Dabei lässt sich auch der Zusammenhang von Bewegung und Sprechfreude deutlich erkennen, Sprechhemmungen oder Sprachauffälligkeiten sind bei solchen Gesprächen oft geringer. Die Entdeckungen in der Natur regen die Kinder an zum Nachfragen, Philosophieren und Weiterspinnen von Geschichten. Begriffe aus der Tier- und Pflanzenwelt erweitern den Wortschatz und die Fähigkeit sich differenziert auszudrücken spielerisch im Alltag. Im sprachintensiven Rollenspiel setzen sie ihre Fähigkeiten dann gezielt ein, um mit anderen gemeinsam zu agieren, Ideen auszutauschen, Verhandlungen zu führen, Konflikte zu beheben, Vorgehensweisen zu diskutieren und ihre Phantasiewelt ausführlich zu beschreiben.

Selbstverständlich finden Lieder, Reime, Gedichte, Fingerspiele, alte Kinderspiele, Quatschsprache, Laut- und Sprachspielereien, Geschichten und andere Sprachangebote auch im Wald statt. Gerade Märchen und Naturmythologien, die ja über Jahrhunderte nur mündlich überliefert wurden, entfalten im Wald eine ganz eigene Intensität. Gerne spielen die Kinder Erzählungen nach, sie sind entweder selbst die Darsteller oder bauen sich Kulisse und Spielfiguren aus Naturmaterial. Die Natur bietet vielerlei Möglichkeiten, Schriftzeichen zu entdecken oder zu hinterlassen. Ob mit Kohle auf Bäume oder Steine gemalt, in den Schnee geritzt oder mit Seilen, Steinen oder Stöcken gelegt, auf vielerlei Arten kann Schrift in der Natur vermittelt werden. Aber auch Papier und verschiedene Mal- und Schreibgeräte stehen den Kindern zur Verfügung. Regelmäßige Besuche in der Altfraunhofener Bücherei erleichtern den Zugang zum Medium Buch und lassen das Ausleihen von Büchern zu einem vertrauten Vorgang werden. Ausflüge ins Theater, Führungen oder Museumsbesuche bieten zusätzliche Anregungen. Da in unserem Waldkindergarten der Anteil an mehrsprachig aufwachsenden Kindern sehr gering ist, liegt der Schwerpunkt im Entdecken der Anderssprachigkeit in der Verwendung von Liedern, Versen oder der Verarbeitung von Urlaubserfahrungen. Auch der bewusste Wechsel zwischen Dialekt und Hochsprache, dem Lernen von Liedern und Geschichten in Mundart dienen dem genauen Hinhören und befähigen die Kinder, ihre Sprache bewusst zu variieren.

Gebt den Kindern die Natur und sie gebrauchen ihre Fantasie

Informations- und Kommunikationstechnik, Medien

Selbstverständlich kann dieser Bereich in einem Waldkindergarten nie Schwerpunkt sein, da einerseits der naturpädagogische Ansatz gerade als bewusster Gegenpol zur übertechnisierten Umwelt entstanden ist, andererseits im Wald bestimmte Medien aus technischer Sicht nicht eingesetzt werden können. Natürlich wollen wir aber diesen Bereich nicht komplett ausklammern, da er den Kindern in ihrer Lebensumwelt täglich begegnet. Besonderes Augenmerk wird im Waldkindergarten auf die Auswahl der Methoden gelegt. Wichtigstes Ziel ist es, den Kindern zu vermitteln, dass Medien nützliche Hilfsmittel sind und niemals in den alleinigen Mittelpunkt des Geschehens rücken dürfen. Es ist uns sehr wichtig, die Kinder dazu anzuhalten, Situationen lieber in echt zu verfolgen, als sie als Film auf dem Handydisplay zu verfolgen. Hier sollten vor allem die Eltern als gutes Vorbild vorangehen. Wir versuchen die Kinder beim Erwerb von Medienkompetenz wie folgend beschrieben, zu unterstützen. Die Medienerlebnisse der Kinder, die sie täglich beschäftigen, werden in Gesprächen verbalisiert und in Rollenspielen verarbeitet. Computer und Handys tauchen in den unterschiedlichsten Variationen im Rollenspiel auf. Die Kinder verwenden viel Energie, um aus den verschiedensten Naturmaterialien verblüffend echt aussehende Geräte zu konstruieren. Wie in den Familien erleben die Kinder den gezielten Einsatz von Medien, sowie Alternativen dazu und lernen dadurch, sich die Zeit der Mediennutzung bewusst einzuteilen.

Während Ausflügen kommen die Kinder in Kontakt mit verschiedensten Medien, wie z.B. Fußgängerampeln, Strichcodescanner, Computerausleihe etc. und erfahren dabei deren Verwendungs- und Funktionsweise. Durch Sachbücher werden diese Themen vertieft. Auch im Wald werden Medien regelmäßig genutzt. Das Handy mit Internetzugang ersetzt teilweise das Nachschlagen in Fachbüchern. Fragen der Kinder können somit oft rasch beantwortet werden. Gut geeignet für den Einsatz in der Natur sind Digitalkamera oder Videokamera. Kinder können ihre Bauwerke fotografieren oder entdeckte Pflanzen und Tiere ablichten. Im Häusl können die Kinder den Weg vom Fotoapparat auf den Computer, weiter auf den Stick und schließlich zum fertigen Bild aus dem Drucker verfolgen. Fotoprojekte – z.B. Schattenbilder der Kinder- können als Spiel- und Ratematerial eingesetzt werden. Der Einsatz von auditiven Aufnahmegeräten ist ebenso gut möglich und lädt zur Hörspielproduktion ein. Der Einsatz von Computern ist im Wald aus technischer Sicht nicht möglich. Hier ist der verantwortungsvolle Einsatz der Eltern gefragt.

Mathematik

Alles in der Natur ist Mathematik! Wenn man sich einmal die Mathematik in der Schöpfung ansieht, dann erkennt man, das Ganze ist eine Untersuchung ohne Ende. Alles ist bis auf das Feinste konstruiert, es ist nichts zufällig. Es gibt nichts, das irgendwie mal gerade so geworden ist, vielmehr ist alles mathematisch präzise geplant. Über die symmetrischen Anordnungen und Wiederholungen, Blatt- und Blütenformen wächst ein großes Staunen, die goldene Zahl, der goldene Schnitt, die goldene Spirale begegnen dem Beobachter immer und immer wieder.

Im Naturraum haben die Kinder viele Möglichkeiten und viel Zeit sich zu bewegen und dabei ihren Körper und ihre Umgebung kennen zu lernen. So gelingt es ihnen, ihr Körperschema zu erfassen, was wiederum als Grundlage der räumlichen Orientierung dient. Mit diesen Erkenntnissen ausgestattet, finden sich die Kinder zunehmend besser in ihrem Waldgebiet zurecht. Am Ende ihrer Kindergartenzeit, sind die meisten in der Lage, einen detaillierten Plan des Waldes mit seinen verschiedenen Plätzen und Wegen aufzuzeichnen. Durch die intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und den sie umgebenden Materialien lernen Kinder spielerisch Dinge zu vergleichen, zu klassifizieren und zu ordnen. Sie erleben, dass ein Stein rund oder eckig, schwer oder leicht, flach oder dick sein kann. Während des Freispiels üben sich die Kinder immer wieder als Architekten, Baumeister und Künstler und sammeln so Erfahrungen mit ein- und mehrdimensionaler Geometrie. Sie haben genaue Vorstellungen darüber, wie ihre Bauten, Figuren, Muster oder sonstigen Gegenstände aussehen sollen und suchen sich das in Länge, Stärke und Form passende Material. Im Laufe der Zeit verfeinert sich dabei ihr visuelles und räumliches Vorstellungsvermögen, sie beginnen Details zu bauen. Erste Erfahrungen mit Zeit, Monatsnamen und Wochentagen können die Kinder zum einen durch einen strukturierten Tages- und Wochenablauf sammeln, zum anderen durch gewisse Rituale im Morgen- bzw. Schlusskreis. So wird z.B. jeden Morgen gezählt, wie viele Kinder da sind und wie viele fehlen, oder das Datum und der Wochentag genannt. Zähl- und Zuordnungsspiele und einfache Rechenoperationen finden im freien Spiel ihren Platz und müssen nicht eigens angeleitet werden.

Naturwissenschaft und Technik

Dem Forscherdrang des Kindergartenkindes werden im Wald nur wenig Grenzen gesetzt, denn die Möglichkeiten zu Entfaltung sind immens und meist mit wenig Aufwand und Vorbereitung durchzuführen. Durch den täglichen Aufenthalt im gleichen Waldgebiet können die Kinder sehr genau die kurz- und längerfristigen Veränderungen in ihrer Umwelt beobachten und die Wahrnehmung auch für kleine Details wird zunehmend geschärft. Der Jahreskreislauf, Naturveränderungen und verschiedene Wetterphänomene werden von den Kindern intensiv erlebt und werfen bei ihnen zahlreiche Fragen auf. In langen Gesprächen, durch Bücher, Mythologien und Experimente werden gemeinsam Antworten gesucht und so prägen sich die ersten Erkenntnisse dieser naturwissenschaftlichen Gegebenheiten stark ein. Der Kreislauf des Lebens wird besonders intensiv wahrgenommen, wenn z.B. ein Baum durch das Jahr hindurch immer wieder besucht und beobachtet wird. Zuerst entdeckt man die Blüte, dann die Früchte und Samen, die zur Erde fallen und dort unter dem Schnee überwintern, um im Frühjahr erneut auszutreiben.

Bei den Beobachtungen der umgebenden Flora und Fauna erreichen die Kinder im Lauf der Zeit ein fundiertes Wissen, das im täglichen Umgang mit Bestimmungsbüchern oder Spielen und Projekten weiter gefestigt wird. Besonders dem intensiven Kontakt mit den vier Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft, die in hohem Maße zum Experimentieren und Erforschen einladen, wird im Waldkindergarten ausreichend Platz gegeben und so das ganzheitliche Erfahren ermöglicht. Die Kinder erleben die unterschiedlichen Aggregatzustände des Wassers und die sich daraus ergebenden Eigenschaften. Kinder erleben den festgefrorenen Schnee, der staubt wie Puderzucker, Pappschnee, stauen Schmelzwasserbäche, stampfen auf gefrorene Pfützen oder beobachten wie diese in der Sommersonne austrocknen. Nebel verteilt seine feinen Wassertröpfchen auf Spinnenweben und ein Regenbogen fasziniert die Kinder mit seiner Farbenpracht. Es gibt jeden Tag unzählige Anregungen und Naturwunder zu entdecken und zu bestaunen. Die Kräfte von Wind, Wasser und Sonne erleben die Kinder hautnah, die Nutzung dieser zukunftsträchtigen Energieformen ist dadurch leicht auszuprobieren und zu vermitteln. Bei den vielen Bewegungsspielen entdecken die Kinder am eigenen Körper physikalische Gesetzmäßigkeiten, beim Bauen und Konstruieren stoßen sie ganz nebenbei auf die spielerische Anwendung von Hebel, Rad, Waage, oder schiefer Ebene. Wir zeigen den Kindern die richtige Anwendung von unterschiedlichen Werkzeugen und ihren bestmöglichen Einsatz.

Umwelt

Das Leben in der Natur bietet eine Fülle von intensiven und nachhaltigen Sinnesanreizen. Der Frühling wird erst in Relation zum Winter so richtig fassbar. Winter ist still, starr, arm an Farben, Geräuschen und Gerüchen. Frühling bedeutet die Explosion der Farben, Geräusche, Düfte. Die Kinder nehmen diesen Rhythmus der Natur und die vielfältigen, komplexen Abläufe mit allen Sinnen gleichzeitig war. Die Natur liefert originales Erleben und nicht mühsam rekonstruierte einzelne Sinneseindrücke und Erklärungen. Das im Kind gespeicherte Potential der Sinne wird bewahrt und sensibilisiert:

  • Die differenzierte Wahrnehmung des Auges wird geschult, wenn im Frühjahr im allmählich tauenden Schnee eine Vielzahl von verschiedenen Grüntönen und Blattformen zu erkennen sind.
  • Das Riechen und Schmecken der verschiedenen Kräuter und Beeren, des regennassen Waldbodens oder des Baumharzes verfeinert Geruchs- und Geschmackssinn.
  • Der weiche Boden, raue Baumrinde, glatte Steine, aber auch Wind, Kälte, Nässe und die Wärme der Sonnenstrahlen werden gespürt, fallende Regentropfen und schmelzende Schneeflocken auf der Hand gefühlt.
  • Die von Rauschen, Plätschern oder Zwitschern unterbrochene Stille ist ausgesprochen wertvoll für die allgemeine Differenzierung des Hörens.

So ist die Begegnung mit der Schönheit, der Farb- und Formenvielfalt und der immer wiederkehrenden Lebendigkeit der Natur eine persönliche Bereicherung und in der heutigen Lebenssituation der Kinder von unschätzbarem Wert. Durch das tägliche direkte Erleben gewinnen die Kinder grundsätzliche Einsichten in Sinn- und Sachzusammenhänge der natürlichen Umwelt und elementare, biologische Gesetzmäßigkeiten. Rhythmus und Wirkung der Jahreszeiten werden ihnen vertraut. Im täglichen Spiel erleben und erforschen sie die Natur, entdecken ihre Geheimnisse und stellen einen persönlichen Bezug zu ihr her. Das Kind hat die Möglichkeit sich als Teil des Ganzen zu erfahren. Die Waldkinder fühlen dabei, welchen unschätzbaren Wert der Wald für Menschen, Tiere und Pflanzen hat und lernen, behutsam mit Lebendigem umzugehen. Ihre Erlebnisse im Waldkindergarten führen sie zu Wertschätzung und Liebe für die natürliche Umwelt und befähigt sie, auch später Verantwortung zum Schutz des Lebens zu übernehmen. Der täglich praktizierte Umweltschutz prägt sich bei den Kindern nachhaltig ein. So wird unnötiger Müll vermieden, Abfall wieder mitgenommen. Die Kinder lernen, wie wichtig sauberes und ausreichendes Wasser für alle Lebewesen ist, wenn sie miterleben, wie Pflanzen und Tiere verdorren oder vertrocknen. Auch die Veränderungen, die wir durch unseren Aufenthalt im Wald verursachen, werden den Kindern bewusst. Daraus folgen erste Schritte in Richtung Übernahme von Verantwortung, Verhaltensregeln im Wald, die das rücksichtsvolle Umgehen mit Flora, Fauna und Mitmenschen beinhalten.

Ästhetik, Kunst und Kultur

Die Natur als Umgebung mit reichhaltigem Potential an Raum, Materialen, Formen, Farben, Aggregatzuständen bietet das ideale Umfeld für Kindergartenkinder eigene Gestaltungs- und Ausdruckswege zu entdecken. Die Naturmaterialien besitzen großen Aufforderungscharakter zu kreativem und phantasievollem Spiel. Denn sie sind beliebig einsetzbar und ihnen wohnt eine natürliche Ästhetik inne, die Kinder sehr anspricht. Durch diesen ästhetischen Rahmen bietet die Natur auch eine besondere Kulisse für Rollenspiel, Nachspielen von Erzählungen und Märchen. Die Fähigkeit der Kinder, die Schönheit der Natur zu erkennen, Formen zu entdecken, Farben zu unterscheiden, Gestalt und Formen in Gegenständen zu interpretieren, ist die Grundlage für ihr gestalterisches Tun. Im freien Spiel werden so aus Erdhügeln Ritterburgen und Wohnungen, aus einem Stock eine Figur, aus Moos eine Bettdecke. Je differenzierter die Kinder erkennen, umso komplizierter, materialreicher und aufwändiger werden die Bauten aus Naturmaterial. Die Kinder sind jeden Tag auf’s Neue Gestalter ihrer eigenen Spielwelten. Natürlich sind so große Bauprojekte oft Gemeinschaftsarbeiten, bei denen die Kinder lernen, miteinander Ideen umzusetzen, gestalterische Kompromisse einzugehen, vernünftig mit Ressourcen zu haushalten, die Grenzen des Materials kennen zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren.

Ohne das Eingreifen der Erwachsenen werden solche Bauwerke aber selten länger in ihrer Grundform erhalten. Die Erbauer sind Um-Gestalter oder auch Zerstörer ihrer eigenen Gebilde, das veränderliche, kreative Tun steht im Vordergrund. Die Natur bietet viele Formen und eine Fülle von Farbnuancen, es macht den Kindern viel Freude damit zu experimentieren, Rindenstrukturen können mit Wachsmalkreiden auf Papier gerubbelt werden, mit verschiedenen Blättern kann gedruckt werden, verschiedenes Naturmaterial als Pinsel verwendet werden. Naturfarben lassen sich aus den unterschiedlichsten Materialien herstellen. Bemalt werden damit außer Papier auch Steine, Rinde, Schnee oder Haut. Ganz besonders interessant ist selbstverständlich die Kunstform „Land Art“, die von dem Reiz der Naturmaterialien und der Vergänglichkeit lebt. Auch Skulpturen von Holzbildhauern regen die Kinder an, da sie selbst mit diesem Material sehr vertraut sind. Besonders dreidimensionales Arbeiten mit großem Körpereinsatz wird von den Kindern geschätzt, sie können sich dabei richtig ausleben. Besondere Gestaltungsmaterialien wie Schnee, Eis oder Lehm bringen zusätzliche Erfahrungen. Durch Besuche im Museum, Ausstellung, Theater oder der Einladung ortsansässiger Künstler können die Kinder andere Kunstformen kennen lernen und für sich weiterentwickeln.

Musik

Musikalische Erziehung wird in unserem Waldkindergarten auf unterschiedlichste Weise praktiziert. Zum einen werden mit den Kindern gezielte Angebote gemacht, zum anderen finden die Kinder während der Freispielzeit immer wieder Möglichkeiten diesen Bereich aufzugreifen. Im Morgenkreis begrüßen wir uns mit Morgenliedern oder Singspielen oder erarbeiten ein zum Thema passendes Lied Geschichten werden mit Rhythmusinstrumenten oder Naturmaterialien (Steine, Stöcke, Zapfen etc.) verklanglicht oder begleitet. Sprach- und Klatschspiele werden angeboten. Die Entdeckung und der kreative Einsatz von musikalischen Elementen in der Gruppe macht den Kindern viel Freude, fördert den Gemeinschaftssinn und ermöglicht den Kindern immer wieder neue Erkenntnisse in diesem Bereich zu sammeln. Das Kind lernt zwischen laut und leise, tief und hoch, schnell und langsam zu unterscheiden. Die Kinder erleben die Unterschiedlichkeit der einzelnen Kinderstimmen und erproben ihre eigene Singstimme mit all ihren Facetten. Durch die tägliche oder jahreszeitlich bedingte Wiederkehr einzelner Lieder, gelingt es ihnen, diese zu verinnerlichen und bilden ein gewisses Repertoire an Liedern aus. Durch den regelmäßigen Einsatz bestimmter Instrumente wissen die Kinder, wie diese zu benutzen sind und für welche Zwecke sie diese verwenden können. Die natürliche Umgebung im Wald bietet den Kindern immer wieder Möglichkeiten unterschiedlichste Geräusche und Klänge wahrzunehmen, zuzuordnen und deren beruhigende Wirkung zu erfahren.

Während der Freispielzeit werden von den Kindern hauptsächlich Naturmaterialien verwendet, mit denen sie musikalisch experimentieren. Dabei können sie unterschiedlichste Erfahrungen mit Klängen, Geräuschen und Rhythmen sammeln. Die Materialvielfalt im Wald regt die Kinder immer wieder dazu an, neue Instrumente zu erfinden.

Bewegung, Rhythmik, Tanz und Sport

Bewegung zählt zu den grundlegenden Betätigungs- und Ausdrucksformen von Kindern. Für sie ist Bewegung ein natürliches Mittel, Wissen über ihre Umwelt zu erwerben, ihre Umwelt zu begreifen, auf ihre Umwelt einzuwirken, Kenntnisse über sich selbst und ihren Körper zu erwerben, ihre Fähigkeiten kennen zu lernen und mit anderen Personen zu kommunizieren. Gemachte Erfahrungen in Verbindung mit Bewegung können im Gehirn besser verarbeitet und verankert werden. So fördert also Bewegung auch die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten. Im Vorschulalter ist Bewegung unverzichtbar, um der natürlichen Bewegungsfreude des Kindes Raum zu geben, das Wohlbefinden und die motorischen Fähigkeiten zu stärken sowie eine gesunde Entwicklung zu gewährleisten. Der Waldkindergarten bietet den Kindern unterschiedlichste Bewegungserfahrungen. Bereits auf dem Weg zu den jeweiligen Plätzen können die Kinder ihre körperliche Geschicklichkeit erproben und immer wieder verbessern. Jeder auf dem Weg liegende Baumstamm wird zum Klettern, Balancieren und Herunterspringen genutzt. Während der Freispielzeit kann sich das Kind nach seinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen Bewegungsmöglichkeiten wählen. Durch Laufen, Klettern, Springen, Kriechen usw. lernen die Kinder ihren eigenen Körper und dessen Grenzen auf natürlichste Weise kennen und erweitern stetig ihre motorischen und koordinativen Fähigkeiten. Das Laufen auf unebenem, federndem Waldboden fördert den Gleichgewichtssinn und schont dazu die Gelenke.

Aktivitäten in der Gemeinschaft helfen den Kindern Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen. Sie erleben, wie ermutigend es ist, Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen, sich gegenseitig zu unterstützen und anzuspornen, aber auch sich an Regeln zu halten und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Durch rhythmische Bewegungen können sich die Kinder Zeit und Raum erarbeiten. Sprechverse verdeutlichen eine zurückgelegte Strecke oder bringen ein Gleichmaß in den Schrittrhythmus. Tanz als Ausdruck der Freude wird von den Kindern spontan oder als gemeinsames Kreisspiel, angeleiteter Gruppentanz erlebt. Im Gegensatz zum selbstgestalteten freien Tanz, kommt es bei gemeinsamen Tanzspielen auf Regeln und Rücksichtnahme an, um ein Gesamtbild entstehen lassen zu können.

Wenn die Kinder genügend grobmotorische Erfahrungen gesammelt haben, beginnen sie von selbst ihre feinmotorischen Fähigkeiten zu verfeinern. Um Tannennadeln, kleine Steine oder Blätter genau platzieren zu können, verwenden die Kinder den Pinzettengriff. Je ausgeprägter die Feinmotorik, desto genauer und detailgetreuer wird gearbeitet. Eine gute Stifthaltung als auch der präzise Umgang mit der Schere profitieren davon. Der Wald bietet nicht nur Raum für Bewegung, sondern auch Möglichkeiten zur Ruhe zu kommen. Dies ist für Kinder von besonderer Bedeutung, um sich ausruhen und ihre gesammelten Eindrücke verarbeiten zu können. Jedes Kind kann für sich entscheiden, ob es alleine oder mit anderen, aktiv oder in Ruhe sein will.

Klettern

Eine besondere Bedeutung kommt dem Klettern zu. Das Klettern auf Bäume ist der Ursprung allen Kletterns, eine Urfähigkeit in der menschlichen Evolution und Entwicklung. Es stellt ein Urbedürfnis kindlicher Entwicklung dar, ist neben dem Gehen und Laufen die natürlichste Bewegungsart und unterstützt die Differenzierung der Motorik. Dreidimensionale, immer neue Bewegungsabläufe werden erlebt, die immer wieder zu erproben sind. Jeder Handgriff, jeder Fußtritt, jede Körperbewegung muss geschickt auf die jeweiligen Erfordernisse abgestimmt werden. Das Gleichgewicht wird geschult und jede Muskelfaser wird mit einbezogen. Die Kletterkinder erfahren ihr Eigengewicht, legen selber Hand an und machen vielfältige Erfahrungen im Greifen, Steigen, sich Drehen und Halten, im Hangeln oder Umschlingen. Die Kinder lernen, ihre Bewegungsabläufe zu verfeinern, ihre Umgebung und sich selber einzuschätzen. Sie bekommen nach und nach ein Gefühl für ihre Kraftreserven. Hände und Füße, die äußeren Endpunkte des Körpers, werden als Reflexzonen am meisten beansprucht. Durch die Reizung der Zehenmuskulatur und der Haut durch Druckrezeptoren wird eine Kräftigung der Rückenmuskulatur erwirkt. Von der aktivierten Durchblutung profitieren Nerven und Organe. Eine aufrechte Körperhaltung und eine höhere Knochendichte ergibt sich, wie schon erwähnt, wesentlich durch aktive Hände und Füße. Ganz nebenbei werden auch die anderen Wahrnehmungen gefördert: Das Spüren der unterschiedlichen Rindenstrukturen, das Rascheln der Blätter, der Duft von Holz und Harz, die leichten Bewegungen des Baumes im Wind, das grüne Licht im Blätterdach oder der weite Blick durch die kahlen Äste im Winter.

Das Überwinden der eigenen Ängste, etwas zu wagen, was man gestern noch nicht konnte, das Erreichen neuer Höhen, neue Perspektiven auf die Dinge zu bekommen, das alles lässt die Kinder wachsen und aufrechter werden.

Gesundheit

Im Waldkindergarten wird der natürliche Bewegungsdrang der Kinder ungehindert ausgelebt. Jedes Kind kann sich seinem Entwicklungsstand entsprechend die Schwierigkeit seines Bewegungsspieles wählen, kann allein, durch Hilfe oder Anregung der Erwachsenen vielfältigste Bewegungsmöglichkeiten kennen lernen. Es hat dabei genügend Zeit und Raum, sich und seinen Körper auszuprobieren und die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen. Diese Erfahrungen stärken Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination, Raum-Lage-Verständnis und Gleichgewichtssinn. Über das intensivere Körperbewusstsein, unmittelbares Erleben, eigene Erfahrungen mit allen Sinnen, das Ausagieren von Gefühlen, Stressabbau durch Bewegung, entwickeln die Kinder großes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Dies führt auch bei Kindern, die als „schwierig“ und sozial unverträglich gelten, zu körperlich-seelischer Stabilität und ist eine der besten Voraussetzungen, sich später in der Gesellschaft konstruktiv und kreativ einzubringen. Von unschätzbarem Wert ist auch das Erleben der Stille im Wald. Es führt zu Ruhe, Konzentration und innerer Ausgeglichenheit, macht sensibel für feinste Geräusche und Vorgänge, sowohl in der Natur als auch im eigenen Körper. Auch das tägliche Spiel wird von einer angenehmen Lautstärke bestimmt, da mehr Raum zur Verfügung steht und sich die Geräusche im Wald einfach verlieren. Neben ausreichender Bewegung ist gesunde Ernährung ein weiterer wichtiger Faktor, Übergewicht und Zivilisationskrankheiten vorzubeugen. Kinder sind sehr empfänglich für dieses Thema und lassen sich für das Sammeln von Heilkräutern oder dem Zubereiten von vollwertigen Speisen begeistern. Der Aufenthalt im Wald fördert den Appetit auf vollwertiges Essen.

In Lebensfreude Wind und Wetter ausgesetzt zu sein, stärkt das Immunsystem und bringt die Kinder dazu, auf die Signale ihres Körpers zu achten. Sie lernen sich selbst entsprechend zu kleiden, bei Kälte zu schützen, bei Nässe umzuziehen oder bei Hitze mehr zu trinken. Durch den täglichen Aufenthalt im Wald lernen die Kinder sehr schnell mögliche Gefahrenquellen kennen und richtig darauf zu reagieren. Das gemeinsame Erarbeiten von Umgangsregeln führt zur Einsicht, dass bestimmte Handlungen gesundheitliche Risiken bergen und deshalb Schutzregeln einzuhalten sind. Die Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper bringt die Kinder dazu, sich sehr genau einschätzen zu können. Sie kennen die persönlichen Grenzen beim Klettern, Balancieren oder Rollen und bringen sich dadurch nicht unnötig in Gefahr.

Hygienische Maßnahmen, wie das gründliche Waschen der schmutzigen Hände vor der Brotzeit, werden auch im Wald umgesetzt. Ebenso wird der Umgang mit Zecken, giftigen Pflanzen, Kälte oder bei Verletzungen mit den Kindern besprochen. Kleinere Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Insektenstichen, Schürf- oder Schnittwunden können die Kinder selbst erlernen. Waldkindergärten bieten die Grundlage für eine adäquate, früh ansetzende Prävention im Bereich des Sucht- und Aggressionsverhaltens: Jeder Hügel fordert zum Ersteigen und Herumturnen, jeder Baum zum Klettern oder Balancieren, jeder Graben zum darüber Springen. Die Kinder werden mit ihrem Körper vertraut, lernen ihre Kräfte einzuschätzen, mit ihren Stärken und Schwächen umzugehen und die Wichtigkeit eines gesunden Körpers zu schätzen. Durch die reizarme Umgebung lernen die Kinder auch einmal Langeweile auszuhalten, selbst aktiv zu werden, kreative Gestalter und nicht Konsument zu sein. Allmähliche Erfolgserlebnisse motivieren, selbstbewusster den nächsten Schritt in der eigenen Entwicklung zu machen.

Europäisches Schulobstprogramm/Schulmilch

Wir beteiligen uns am Europäischen Schulobstprogramm und erhalten einmal wöchentlich eine Lieferung Obst und Gemüse sowie Milch und Milchprodukte der Höhenberger Biokiste. Das Obst und Gemüse wird mit den Kindern gemeinsam geschnitten und zusätzlich zur Brotzeit gegessen oder im Rahmen eines pädagogischen Angebots zu leckeren Gerichten verarbeitet. Die Kinder erfahren so verschiedene Geschmacksrichtungen und die unterschiedlichen Konsistenzen der Speisen. Gespräche über die Vorteile von ökologischem Anbau, Plastik- und Müllvermeidung schließen sich hier an.

Gartenarbeit

In unserem kleinen Gemüsegarten helfen die Kinder mit, einfache Gemüsesorten, wie Kartoffeln und Zwiebeln, Radieserl und Erbsen anzubauen. Sie können das Wachsen beobachten, übernehmen durch regelmäßige Gieß- und Gartenarbeiten Verantwortung, und können am Ende die Früchte ernten und verarbeiten.

Stellen wir uns vor, wir müssten einige Kilometer über eine schnurgerade, ebene, hindernisfreie Betonbahn gehen. Am Ende der Strecke werden wir ermattet sein. Wie anders wird es uns bei einer Wanderung durch den Wald ergehen! Da sind verschlungene Pfade Es geht über Stock und Stein. Wnrzeln, Moos, dichtes Gebüsch, Rinnsale. Das Licht ist dämmrig. Du musst ganz Auge, ganz Ohr sein. Ganz Nase. Es duftet nach Waldkräutern und Waldboden. Seltsame Geräusche von überall her. Vogelstimmen. Am Ende des Weges sind wir erfrischt, fast wie neugeboren. Was war geschehen? Im Wald war ich mit Körper, Seele und allen Sinnen voll beansprucht. Überall kleine mit Hindernissen verbundene Wagnisse. Auf der risikolosen Betonbahn forderte mich nichts heraus. Ich hatte nichts zu bestehen. Ich war sozusagen überflüssig..." Hugo Kükelhaus

Die Konzeption wurde erstellt von Claudia Sandmeyer.
Für den Inhalt verantwortlich: Johann Schreff Träger, Claudia Sandmeyer - Leitung, Altfraunhofen, im Mai 2021

Teil IV – Anhang

Beschwerdemanagement im Waldkindergarten Altfraunhofen

Verfahren des Beschwerdemanagements

Unsere Kindertagesstätte ist eine Gemeinschaftseinrichtung in der viele verschiedene Individuen zusammentreffen. Hier kann es natürlich auch immer wieder zu Konflikten, Kritik und Beschwerden kommen. Beschwerden können von Eltern, Kindern und Mitarbeitern in Form von Kritik, Verbesserungsvorschlägen, Anregungen oder Anfragen ausgedrückt werden. Aufgabe des Umgangs mit jeder Beschwerde ist es, die Belange ernst zu nehmen, den Beschwerden nachzugehen, diese möglichst abzustellen und Lösungen zu finden, die alle mittragen können. Wir verstehen Beschwerden als Gelegenheit zur Entwicklung und Verbesserung unserer Arbeit im Waldkindergarten. Wir nehmen offen angebrachte Kritik von Eltern und Kindern gleichermaßen wichtig. Im direkten zeitnahen Gespräch erarbeiten wir Lösungsvorschläge gemäß den Verfahrensregelungen, (s.u.) die wir im Team abgesprochen haben und die wir regelmäßig überprüfen und auch neuen Mitarbeitern an die Hand geben. Wichtig hierbei ist uns eine zeitnahe und wenn möglich, aufarbeitende Rückmeldung. Nicht immer können wir natürlich Beschwerden so lösen, dass es zur vollständigen Zufriedenheit führt. Jedoch ist uns das Ernstnehmen von Beschwerden sehr wichtig und das emphatische Einfühlen in die jeweilige Problemstellung. Wir hoffen so, die verschiedenen Sichtweisen eines Problems zu beleuchten und unsere Sichtweise und unser Handeln zu begründen. Dies erfordert partizipatorische Rahmenbedingungen und eine Grundhaltung, die Beschwerden nicht als lästige Störung, sondern als Entwicklungschance begreift. Ziel unseres Beschwerdemanagement ist es, Zufriedenheit wieder herzustellen. Nachfolgend sind die Vorgehensweisen bei Beschwerden der verschiedenen beteiligten Gruppen aufgeführt.

Unsere Beschwerdekultur als Mitarbeitende

  • Wir tragen die Verantwortung als Vorbilder im Waldkindergarten
  • Wir gehen wertschätzend und respektvoll miteinander um  Wir führen eine offene Kommunikation miteinander
  • Wir dürfen Fehler machen
  • Wir zeigen eine reklamationsfreundliche Haltung
  • Wir gehen respektvoll und sorgsam mit Beschwerden um
  • Wir nehmen Beschwerden sachlich an und nicht persönlich
  • Wir suchen gemeinsam nach verbindlichen Lösungen

Beschwerdeverfahren für Kinder

Die Beschwerde eines Kindes ist als Unzufriedenheitsäußerung zu verstehen, die sich abhängig vom Alter, Entwicklungsstand und der Persönlichkeit in verschiedener Weise über eine verbale Äußerung als auch über Weinen, Traurigkeit, Wut, Aggressivität oder Zurückgezogenheit ausdrücken kann. Ältere Waldlauser können sich schon gut über Sprache mitteilen, die Beschwerdemöglichkeiten der Jüngeren müssen von den Pädagog*innen sensibel aus dem Verhalten des Kindes wahrgenommen werden. Achtsamkeit und eine dialogische Haltung der Fachkräfte sind unbedingte Voraussetzung hierbei.

Wir regen die Kinder an, Beschwerden zu äußern

  • Durch Schaffung eines sicheren Rahmens, in dem Beschwerden angstfrei geäußert werden können und mit Respekt und Wertschätzung angenommen und bearbeitet werden.
  • Indem sie im Waldalltag erleben, dass sie bei Unzufriedenheit auch über Ausdrucksformen wie Weinen, Zurückziehen und Aggressivität ernst- und wahrgenommen werden.
  • Indem Kinder ermutigt werden, eigene und Bedürfnisse anderer zu erkennen und sich für das Wohlergehen der Gemeinschaft einzusetzen.
  • Indem Pädagog*innen positive Vorbilder im Umgang mit Beschwerden sind und auch eigenes Fehlverhalten, eigene Bedürfnisse reflektieren und mit den Kindern angemessen thematisieren.
  • In Kinderkonferenzen lernen die Kinder, ihre Belange auszudrücken.

Warum beschweren sich Kinder:

  • wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen
  • in Konfliktsituationen
  • über unangemessene Verhaltensweisen der Pädagogen
  • über alle Belange, die ihren Alltag betreffen (Angebote, Essen, Regeln….)

Wie bringen Kinder ihre Beschwerden zum Ausdruck:

  • durch konkrete Missfallensäußerungen
  • durch Gefühle, Mimik, Gestik und Laute
  • durch ihr Verhalten ( Verweigerung, Anpassung, Vermeidung, Regelverletzung, Grenzüberschreitungen)

Kinder können sich beschweren:

  • bei den Pädagog*innen
  • bei Praktikant*innen
  • bei ihren Freund*innen
  • bei ihren Eltern

Die Beschwerden der Kinder werden aufgenommen und dokumentiert:

  • durch sensible Wahrnehmung und Beobachtung
  • durch den direkten Dialog der Pädagog*innen mit dem Kind
  • im Rahmen von Befragungen

Die Beschwerden der Kinder werden bearbeitet:

  • mit dem Kind/den Kindern im respektvollen Dialog auf Augenhöhe, um gemeinsam Antworten und Lösungen zu finden
  • Wir versuchen stets, Kinder altersgerecht in betreffende Entscheidungen einzubinden
  • im Dialog mit der Gruppe im Gesprächskreis oder in Kinderkonferenzen
  • in Teamsitzungen
  • ggf. in Elterngesprächen / Elternabenden / Elternbeiratssitzungen

Beschwerdeverfahren für die Eltern

Die Eltern werden informiert über das Beschwerdeverfahren:

  • beim Aufnahmegespräch
  • bei Elternabenden
  • bei Elternbefragungen
  • über den Elternbeirat
  • im Gespräch mit den Fachkräften

Die Eltern können sich beschweren:

  • bei den Pädagogischen Fachkräften
  • bei der Leitung
  • beim Elternbeirat
  • beim Träger
  • über das Beschwerdeformular
  • bei Elterngesprächen
  • bei Elternabenden
  • bei der jährlichen Elternbefragung

Die Beschwerden der Eltern werden aufgenommen und dokumentiert:

  • durch sensible Wahrnehmung und Beobachtung
  • im direkten Dialog
  • per Telefon und E-mail
  • über das Beschwerdeformular
  • bei Tür- und Angelgesprächen
  • bei vereinbarten Elterngesprächen

Die Beschwerden werden bearbeitet

  • im Dialog auf Augenhöhe, um gemeinsam Lösungen zu finden
  • ggf. Weiterleitung an die zuständige Stelle
  • unter Einbeziehung des Elternbeirats
  • im Teamgespräch
  • auf Elternabenden
  • mit dem Träger

Weiterentwicklung und Prüfung des Beteiligungs- und Beschwerdeverfahrens in der Einrichtung

Für die Kinder im Rahmen von:

  • Nachfragen, ob die Situation zufriedenstellend geklärt wurde
  • Gegenseitige Kontrollen der Einhaltung von Absprachen und Regeln
  • Regelmäßige Gespräche zum Thema Kinderrechte
  • Einführung der neuen Kinder in das bestehende System
  • Thematisierung im Team

Eventuell erfolgt eine Konzeptionsweiterentwicklung.

Für Eltern im Rahmen von:

  • Tür- und Angelgesprächen
  • Rückversicherung, ob Situation zufriedenstellend geklärt wurde
  • Auswertung der eingegangenen Beschwerden
  • Anonymisierte Elternbefragung
  • Elterngesprächen
  • Elternbeiratssitzungen
  • Teamgesprächen
  • Trägergesprächen

Eventuell erfolgt eine Konzeptionsweiterentwicklung.

Die Umsetzung unseres Beteiligungs- und Beschwerdemanagements bietet unserem Waldkindergarten vielfältige Entwicklungschancen. Hier gilt es in einer offenen Kommunikation, Bewährtes zu bewahren und anderes mutig zu optimieren.

Kontakt

In Verbindung bleiben

Fragen, Anregungen - schreiben Sie uns Ihre Nachricht!

Wenden Sie sich jederzeit an uns, wenn Sie Fragen haben oder Kontakt mit uns aufnehmen wollen. Wir versuchen, uns sobald wie möglich bei Ihnen zu melden.

claudia.sandmeyer@vg-altfraunhofen.de

sending...

Kontaktinformationen

Rathausplatz 1
84169 Altfraunhofen

Waldhandy.: 0152/37688705
Tel.: 08705/92824
Fax: 08705/92899