Konzeption

 

 

Teil I - Der Waldkindergarten

Der Waldkindergarten richtet sich nach den Zielen des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplanes und führt zur Schulfähigkeit wie ein Regelkindergarten auch. Er unterstützt und ergänzt die familiäre Erziehung. Darüber hinaus bietet er den Wald als Lebensraum und damit faszinierende pädagogische Möglichkeiten. Durch eine sinnliche Beziehung zur Natur finden Körper, Geist und Seele dort einen reichen Nährboden voller Anregungen. Der Wald besitzt ein eigenes Klima, die Lichtverhältnisse ändern sich ständig, Geräusche werden unterschiedlich wahrgenommen und auch die Zeit bekommt eine andere Dimension. Aus pädagogischer Sicht ist der Aufenthaltsort Wald für die gesamte kindliche Entwicklung ein ideales Umfeld. Es findet eine kind- und situationsorientierte, ganzheitliche und individuelle Begleitung, Förderung, Erziehung und Betreuung der Kinder statt.

 

Geschichtlicher Rückblick

Die Idee zu einem Kindergarten ohne Dach und Mauern, in dem die Kinder in einer ausgesprochenen Naturumgebung im Kontakt mit Pflanzen, Tieren, Wind und Wolken leben lernen, entstand in den 60er Jahren in Dänemark. Dem Beispiel der dänischen “skovbornehaven“ folgend, wurde 1993 der erste deutsche Waldkindergarten in Flensburg gegründet. Das dort erarbeitete Konzept stieß bundesweit auf Interesse und war Anstoß für die Verbreitung der Waldpädagogik und die Gründung weiterer Waldkindergärten.

 

Der Waldkindergarten Altfraunhofen

Schon vor einigen Jahren flammte in Altfraunhofen die Idee auf, einen Waldkindergarten in Form einer Elterninitiative zu gründen, konnte aber nicht verwirklicht werden.

Um der stark wachsenden Gemeinde und den vielen neu zugezogenen Familien eine angemessene Auswahl an Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu bieten, beschloss die Gemeinde Altfraunhofen nun, einen Waldkindergarten in kommunaler Trägerschaft ins Leben zu rufen. Der Idee liegt der Gedanke zugrunde, eine familienfreundliche, ortsnahe und somit auch fußläufig gut erreichbare Einrichtung zu schaffen.

Das Waldstück grenzt unmittelbar an das Neubaugebiet „Am Sonnenhang“ an. Das „Häusl“ in Holzständerbauweise fungiert gleichzeitig als Treffpunkt, Besprechungs- und Lagerraum und bietet den Waldkindern bei Sturm, Gewitter oder anderen widrigen Umständen einen waldnahen Schutz. Durch die Verwendung von natürlichen Baumaterialien und der Möglichkeit, das Gebäude gegebenenfalls auch ab- und an einem anderen Ort wieder aufbauen zu können, trägt die Planung sehr nachhaltige Züge.

Darüber hinaus besteht die Option, die Öffnungszeiten in naher Zukunft zu verlängern, um den Kindern im „Häusl“ eine Nachmittagsbetreuung mit Mittagsverpflegung anbieten zu können.

Der Waldkindergarten Altfraunhofen versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern als Erweiterung zum bestehenden Betreuungsangebot der Gemeinde und ist gerne zu Kooperation bereit.

 

Träger

Die Gemeinde Altfraunhofen ist der Träger des Waldkindergartens, vertreten durch Bürgermeisterin Katharina Rottenwallner. Der Träger verantwortet den qualitativen, finanziellen und organisatorischen Rahmen und trägt die Verantwortung für die Gesamtumsetzung.

 

Erzieherteam und Arbeitsweise

Claudia Sandmeyer (pädagogische Leitung), Erzieherin und Dipl.- Soz.päd. (FH)

Nadine Ettrich, Erzieherin

Daniela Chrostek, Erzieherin

Christopher Basner, SPS 2

Zeitweise arbeiten Praktikanten mit, für Notfälle ist ein Elternnotdienst geplant.

 

Das bemerkenswerte am Waldkindergarten ist, dass Kinder und Erwachsene täglich, das ganze Jahr über, bei jeder Wetterlage in der Natur leben. Die Arbeit im Waldkindergarten erfordert dadurch von den Betreuern viel Flexibilität, Spontaneität und Improvisationstalent, denn hier ist kein Tag wie der andere. Eine positive Einstellung zum ständigen Aufenthalt im Freien sowie eine gute körperliche Konstitution muss gegeben sein, um auch bei widrigen Umständen motivierte Arbeit am Kind leisten zu können.

Mehr noch als in anderen pädagogischen Einrichtungen verlangt die Arbeit im Wald nach einer guten Teamarbeit. Idealerweise bringt hierzu jeder im Team seinen Ideenreichtum und seine Stärken ein. Doch bei gleichberechtigtem Arbeiten haben auch Schwächen ihren Platz. Wichtig ist gegenseitige Toleranz und ein regelmäßiger Austausch über Probleme, insbesondere aber über die Vorstellungen und Wünsche zur Verwirklichung der anfallenden Aufgaben.

Einige wichtige Aufgaben für das ganze Team aus organisatorischer Sicht sind:

  • den Kindergartentag gleichzeitig zu beginnen, um einen guten, gemeinsamen Start zu finden

  • Tagesabläufe, Rahmenpläne, Aktionen, Feste usw. gemeinsam zu planen

  • Beobachtungen in einem Tagebuch, auf einer pädagogischen Karte oder in einer Statistik zusammenzutragen und auszuwerten (für sich, für Eltern und als Berichtgrundlage für den Träger)

  • Reflexion der täglichen Arbeit

  • Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen

Eine gute Möglichkeit zum professionellen Erfahrungsaustausch bieten auch regelmäßige Treffen mit anderen Waldkindergärten.

 

Name der Einrichtung

Waldkindergarten Altfraunhofen    Am Sonnenhang   84169 Altfraunhofen

Postanschrift:

Waldkindergarten Altfraunhofen    Rathausplatz 1    84169 Altfraunhofen

Kontakt

Claudia Sandmeyer   08705-92824 claudia.sandmeyer@vg-altfraunhofen.de

Rathaus                       08705-928-0 poststelle@vg-altfraunhofen.de

 

Aufnahme in den Waldkindergarten

Ab dem vollendeten 3. Lebensjahr nehmen wir ein Kind gern in unsere Gruppe auf. Kinder unter drei Jahren können in Ausnahmefällen nur aufgenommen werden, wenn noch freie Plätze zu Verfügung stehen und die Entwicklung des Kindes eine Bewältigung des Kindergartenalltags erlaubt.

Aufnahmezeiten sind zum Kindergartenbeginn im September. Zugänge während des Jahres sind jederzeit möglich, vorausgesetzt ein freier Platz steht zur Verfügung.

 

Gruppengröße und Gruppenstrukturierung

Der Waldkindergarten Altfraunhofen geht im Herbst 2017 in sein viertes Jahr. Aufgrund der großen Nachfrage nach freien Plätzen wurde eine Anhebung der Kinderzahl auf 34 beantragt. Unser Ziel ist es jedoch nicht, mit einer Vielzahl von Kindern in den Wald zu ziehen, die Gruppengrößen sollen im überschaubaren Bereich bleiben. Im September 2017 sind 28 Kinder angemeldet. Zudem besteht so die Möglichkeit, auch für Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf (Einzelintegration, Kinder mit Migrationshintergrund) Platz zu schaffen.

So können wir – je nach Kinderzahl – zwei Gruppen mit maximal 17 Kindern bilden, die durch Fachkräfte und Praktikanten betreut werden. In diesem kleinen Rahmen möchten wir den Kindern Sicherheit geben, sich mit dem Wald und den ErzieherInnen vertraut zu machen. Die Überschaubarkeit der kleinen Gruppe bietet den Kindern mehr Struktur und sie können sich schneller eingewöhnen und feste Spielpartner finden.

Eine Zusammenführung beider Gruppen zu gemeinsamen Tagespunkten wie Morgenkreis und Schlusskreis, das gemeinsame Erleben von Festen und Feiern wird nach der Eingewöhnungszeit angestrebt.

Mit der Zeit öffnen sich die Kleingruppen und es werden auch gruppenübergreifende Angebote stattfinden, die die Kinder je nach ihren Neigungen aufsuchen und wahrnehmen können. So ergibt sich eine größere Auswahl an Beschäftigungsangeboten, die Zahl der Spielpartner erweitert sich, festgefahrene Spielsituationen können verlassen werden und unterschiedliche ErzieherInnen stehen als Bildungs- und Bindungspartner zur Verfügung.

Waldplätze

Das Lausbacher Holz bietet hierfür die idealen Bedingungen. Kleinere überschaubare Plätze bieten vielerlei Spielmöglichkeiten und laden ein, dort mit kleineren Gruppen zu verweilen. Unser großer zentraler Moosplatz ist so weitläufig, dass sich dort auch beide Gruppen aufhalten können, ohne sich gegenseitig zu behindern oder das Gefühl der Überbelegung entsteht.

Mit unserem Tippi, dem Unterstand am Moosplatz und dem waldnahen Häusl verfügen wir über ausreichende Möglichkeiten, bei widrigem Wetter oder bei Minustemperaturen für beide Gruppen einen angenehmen Brotzeitplatz zu finden.

Bei Sturm oder Gewitter bietet uns das Häusl mit seinen beiden Gruppenräumen ausreichend Platz.

 

Der Elternbeirat

Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern stellt eine Grundlage guter Erziehungspartnerschaft da, der Elternbeirat als Ansprechpartner und Mittler nimmt hier eine wichtige Position ein. Im Oktober 2017 wurde ein neuer Elternbeirat gewählt:

  • Karin Finsterer
  • Martin Forster
  • Anja Höpfl
  • Annabell Petermaier
  • Carsten Schmidthals

Die Gruppengröße beträgt 25 Kinder.

 

Der Wald

Das Lausbacher Holz, eine Waldfläche von ca. 15 ha, liegt in der Nachbarschaft zum neuen Baugebiet am Sonnenhang. Das Waldgrundstück stellt die Familie Rottenwallner für die Nutzung zur Verfügung. Dieses schöne Waldstück mit seinen unterschiedlichen Bewuchsformen, Strukturen und Plätzen bietet vielerlei Möglichkeiten zum Spielen, Verweilen, Erkunden und Erleben.

Das Gelände ist abwechslungsreich strukturiert, ebene Flächen wechseln mit abschüssigem Gelände. Am Rande des Waldes fließt ein kleiner Bach – der Lausbach, angrenzende Wiesen und Äcker bieten weitere Erkundungsmöglichkeiten.

Am Hauptplatz im Wald befindet sich ein Regendach und im Winter ein Tippi.

 

Das „Häusl“

Das neue Gebäude am Sonenhang dient uns bei extremer Witterung wie Sturm, Gewitter oder Schneebruchgefahr als Ausweichraum und ist für solche Tage sehr gut ausgestattet. Die eingebaute Küchenzeile kann im Winter zum Teekochen genutzt werden und bietet auch die Möglichkeit, bei verlängerten Öffnungszeiten eine Mittagsverpflegung anzubieten. Das Mittagessen wird vom Gasthaus Vilserwirt angeliefert.

Das täglich benötigte Händewaschwasser wird auch hier entnommen. Dadurch werden die Eltern von dem Aufgabenbereich des Wasserdienstes entlastet.

Mit der Fertigstellung des Häusls am Sonnenhang besteht jetzt die Möglichkeit, die Kinder von 7.15 Uhr bis 15 Uhr betreuen zu lassen.

 Es stehen drei Buchungszeiten mit unterschiedlichen Beitragssätzen zur Auswahl:

7.15 Uhr bis 13.00 Uhr     -        85€

7.15 Uhr bis 14.00 Uhr     -        100€

7.15 Uhr bis 15.00 Uhr     -        115€

 

Die Kernzeit ist weiterhin 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr – d.h. in dieser Zeit sind alle Kinder da und wir brechen wie bisher auch um 8 Uhr in den Wald auf und sind bis ca. 13 Uhr wieder zurück.

 

Mittagessen

Das Essen wird vom Gasthaus Vilserwirt in Altfraunhofen geliefert und kostet derzeit 2.80€. Das Mittagessen wird gemeinsam eingenommen.

 

Ausstattung

Wir haben einen großen und einen kleineren Gruppenraum, Toiletten für Kinder und Personal, ein Technik-/Putzkammerl und einen Lagerraum. Im Eingangsbereich hat die Garderobe ihren Platz und der Bollerwagen übernachtet dort. Im großen Gruppenraum – unserem Aufenthaltsort – ist eine Küchenzeile mit Kühlschrank, Herd, Spüle und Spülmaschine installiert.

Als Möblierung gibt es ein paar Tische, Stühle, Regale für Materialien und eine „Kuschelecke“ mit Matratze und Kissen. Eventuell gesellt sich im Laufe der Zeit noch eine Werkbank/Arbeitstisch dazu.

 

Materialen

Den Kindern stehen dieselben Materialien wie am Vormittag zur Verfügung

Malsachen

Werkzeug

Bücher

Bastelmaterialien

Handelsübliches Spielzeug wie Lego, Playmobil etc. gibt es nicht.

 

Pädagogische Angebote

Die Beschäftigungen am Nachmittag orientieren sich ebenfalls an unserem waldpädagogischen Konzept. Je nach Kondition und Wetter gehen wir auch am Nachmittag in die umgebende Natur. Beschäftigungen/Experimente vom Vormittag können am Nachmittag weitergeführt oder vertieft werden. Es gibt natürlich auch Zeit zum Ausruhen, Schmökern und Ratschen.

 

Das Außengelände lädt zur Gestaltung ein:

Gemüsegarten

Obstbäume

Werkstatt

Experimentierecken

Wasserbecken

Hecke pflanzen und, und, und…….

 

Nutzung des Häusls

Neben der Nachmittagsbetreuung dient uns unser Häusl als Anlaufstelle und Treffpunkt, als Besprechungsraum, für Elterngespräche, als Lager. Das Gebäude steht außerdem den Eltern für die Aktionen und Treffen zur Verfügung.

Und es ist  – ganz wichtig -  unser waldnaher Zufluchtsort bei Sturm und Gewitter.

Am normalen Waldbetrieb wird sich durch das Häusl nichts ändern – wir werden auch weiterhin bei jeder Witterung im Wald sein. Schließlich sind wir ja ein Waldkindergarten!

 

Kosten

Der monatliche Kindergartenbeitrag beläuft sich auf

 85 € (5-6 Stunden), 100€ (6-7 Stunden) und 115€ (7-8 Stunden)

Geschwisterkinder erhalten 15€ Ermäßigung.

Für Getränke (Apfelschorle im Sommer, Tee im Winter) fallen 4 € an.

Das Mittagessen kostet 2,80€.

 
Schließtage

Die 30 Schließtage des Kindergartens orientieren sich an den Schulferien und werden rechtzeitig bekannt gegeben.

 

Versicherung

Die Kinder sind während des Aufenthaltes im Wald und auf dem Gelände durch die kommunale Unfallversicherung abgesichert.

Für witterungsbedingte Erkrankungen und Erkrankungen durch Infektionen (Zecken und Fuchsbandwurm) übernimmt der Träger keine Haftung.

 

 

Gefahren im Wald

Die Unfallrisiken im Wald sind – entgegen mancher Befürchtungen und Annahmen – nicht höher als in jedem anderen Kindergarten. Die Geschicklichkeit der Kinder verbessert sich deutlich.

Die Einhaltung von Regeln hilft, Unfälle zu vermeiden. Das Personal kennt die Gegebenheiten des Waldgeländes genau und kann das Gefahrenpotential gut einschätzen.

 

  • Zecken – FSME und Borrelliose

    Das Personal überschaut die Häufigkeit von Zeckenbefall und informiert gegebenenfalls die Eltern. Das Tragen einer Kopfbedeckung und langer Hosen hat sich bewährt. Wir empfehlen den Eltern, die Kinder nach der Rückkehr aus dem Wald nach Zecken abzusuchen und die Kleidung auszuschütteln.

    Die Entscheidung über eine etwaige Impfung liegt im Entscheidungsbereich der Eltern.

    Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Kinder im Wald nicht häufiger von Zecken gebissen werden, als im häuslichen Garten.

    Tritt während des Aufenthalts im Wald ein Zeckenbiss ein, entfernen die Erzieherinnen die Zecke so schnell wie möglich, um einer Infektion mit Borreliose oder FSME vorzubeugen. Einverständniserklärungen der Eltern werden eingeholt und die Eltern informiert. Die Bissstelle wird markiert, um einen Entzündungsvorgang besser verfolgen zu können.

  • Fuchsbandwurm                                                                                                                                        Um eine Aufnahme von Fuchsbandwurmeiern zu vermeiden, ist der Verzehr roher Waldfrüchte  grundsätzlich nicht erlaubt. Um den Kindern dennoch die Früchte des Waldes zugänglich zu machen, werden die geernteten Früchte gemeinsam mit den Kindern zu allerlei Leckereien verkocht (Blaubeerpfannkuchen, Brombeermarmelade, Hollerküchle usw.

 

Hygiene

Im Bollerwagen wird ein Kanister mit lauwarmem Wasser, Lavaerde sowie eine Handbürste zum Händewaschen mitgeführt. Vor jeder Brotzeit, nach dem Toilettengang und bei sonstigem Bedarf werden die Hände gründlich gewaschen. Bei jedem Waldspielplatz wird eine nicht bespielte Stelle als Toilettenplatz vereinbart. Für „große Geschäfte“ stehen eine Schaufel und Toilettenpapier zur Verfügung. Das pädagogische Personal ist den Kindern behilflich.

 

Der Tagesablauf im Waldkindergarten

7.15 Uhr

Die ersten Kinder kommen und werden von den Erzieherinnen begrüßt. Es ist Zeit zum Erzählen und zum Spielen auf dem Gelände.  Auch für ein kurzes Gespräch mit den Eltern finden sich ein paar Minuten. Gemeinsam wird unser Bollerwagen für den Tag bestückt. Das Handwaschwasser, Handtücher, Getränke und die für den Tag benötigten Materialien werden eingepackt.

8.00 Uhr

Inzwischen sind alle Kinder eingetrudelt, die Eltern haben sich schon verabschiedet oder bleiben noch einen Moment mit dabei. Im Morgenkreis begrüßen wir uns mit einem Lied oder einem Spiel. Wir zählen alle anwesenden Kinder und überlegen, wer denn eventuell fehlt. Das Tagesprogramm wird angekündigt, die Tagesroute besprochen.

8.20 Uhr

Nach dem Morgenkreis holen wir unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg in den Wald. Unser Weg führt uns auf einem kleinen Fußweg zwischen Baugebiet und entlang eines schmalen Waldstückes zum eigentlichen Waldgebiet. Wir haben Zeit für diesen Weg, können verweilen, wenn es etwas zu entdecken gibt oder die Kinder schnell ins Spiel finden. Je nach Witterung oder Tagesprogramm suchen wir unsere Plätze im Wald auf.

9.30 Uhr

Nach dieser Phase des Freispiels ist es Zeit, sich zu stärken.

Alle Kinder müssen sich die Hände waschen, ein Gang zur Toilette wird angeraten. Wir lassen uns im Kreis nieder, jeder packt seine mitgebrachte Brotzeit und seinen Trinkbecher aus. Nach einem gemeinsamen Verserl oder Lied lassen wir uns das Mitgebrachte schmecken. Hier in der Brotzeitrunde ist auch Platz für Gespräche oder eine erzählte Geschichte. Bei Regenwetter versammeln wir uns unter dem Regendach, bei eisigen Temperaturen im mit Stroh bestückten Tipi.

10.30 Uhr

Im Anschluss an die Brotzeit haben die Kinder die Möglichkeit, sich an gezielten Angeboten zu beteiligen. Dies erfolgt meist in Kleingruppen. Das Spektrum reicht von Experimenten, Spielen, Basteleien, Kochen, Theaterspielen bis zu kleinen Expeditionen und richtet sich nach dem ausgewählten Rahmenthema.

Es bleibt aber immer genügend Zeit für die Kinder, um im freien Spiel all ihre Phantasie umzusetzen und den Wald mit allen Sinnen zu erfahren.

12.00 Uhr

Jetzt ist es Zeit, an den Heimweg zu denken. Alles Mitgebrachte wird wieder eingepackt, überlegt, welche Fundstücke mit nach Hause genommen werden und an welcher Baustelle morgen weitergebaut wird. Am Waldrand versammeln wir uns noch einmal zum Schlusskreis. Hier ist noch Zeit für ein gemeinsames Spiel, für abschließende Gedanken oder ein Gruppengespräch über den Tag. Mit einem Schlusslied verabschieden wir uns von einander und dann geht es hinaus aus dem Wald zurück zum Treffpunkt.

13.00 Uhr

Am Häusl werden die ersten Kinder von den Eltern abgeholt.

Die Kinder der Nachmittagsbetreuung nehmen das Mittagessen ein. Im Anschluss daran steht - je nach Witterung und Kondition - Beschäftigungen und Freispiel im, am und um's Häusl auf dem Programm. Der Naturbezug unserer Einrichtung steht natürlich auch am Nachmittag im Vordergrund.

14.00 Uhr bzw. 15.00 Uhr

Die Nachmittagskinder werden abgeholt.

 

Ergänzt werden all diese „normalen“ Tage durch Besonderheiten im Jahreskreislauf. Wir feiern natürlich Geburtstage und Jahreskreisfeste wie Ostern, Erntedank oder Weihnachten. Wir freuen uns über Besucher, den Förster oder den Waldbauern und unternehmen Ausflüge.

 

Was braucht mein Kind im Wald?

Die Grundausrüstung

Die wichtigste Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf ist eine geeignete, bequeme und wetterfeste Kleidung, die der jeweiligen Witterung und Jahreszeit angepasst ist. Eltern und Kinder haben meist schnell herausgefunden, welches Kleidungsystem das effizienteste ist. Ein mittlerweile reichliches Angebot an guter Wetterbekleidung erleichtert dies. ( Siehe Anhang „Was braucht mein Kind im Waldkindergarten“).

Außerdem sind die Kinder ausgerüstet mit einem Rucksack mit Isomatte, einer kräftigen Brotzeit und einer Tasse oder Trinkflasche für Saft oder warmen Tee. Wir legen Wert auf eine gesunde, vollwertige Ernährung. Süßigkeiten sind im Wald nicht erwünscht.

 

Das Waldgefährt: der Bollerwagen

Ergänzt wird das Ganze durch die Ausrüstung, die die Erzieherinnen im Bollerwagen mit sich führen:

  • Wasserkanister und Lavaerde (ein biologisch abbaubarer Seifenersatz)

  • Getränke ( je nach Jahreszeit Tee oder Saftschorle)

  • Klopapier und eine kleine Schaufel

  • Erste-Hilfe-Ausrüstung

  • Handy

  • Handtuch und Ersatzkleidung

  • Lupe, Fotoapparat

  • Seile, Werkzeug, Taschenmesser

  • sonstiges Arbeitsmaterial

 

Teil II - Ziele der pädagogischen Arbeit

 

Unser pädagogisches Leitbild

 

„Wen man liebt, den schickt man in den Wald!“ (C. Sandmeyer)

 

Der Leitgedanke der Waldpädagogik ist, das Kind als vollwertige Persönlichkeit zu respektieren, zu achten und uneingeschränkt wertzuschätzen. Sinnliche Wahrnehmung, Bewegung und Spiel sind die Grundlage der elementaren Bildung.
Im „Lernort Natur“ einem der facettenreichsten, interessantesten und erlebnisintensivsten Lernorte überhaupt, lassen sich kindliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen in optimaler Weise fördern und entwickeln.

 

Grundvoraussetzung dafür, dass ein Wald- oder Naturkindergarten die familiäre Erziehung in geeigneter Weise unterstützt und ergänzt, ist die Freiwilligkeit aller am Waldkindergarten Beteiligten.

Zuallererst sollen sich die Kinder wohl fühlen. Aber auch die Eltern, deren Kinder einen reinen Waldkindergarten besuchen, müssen die Betreuung ihrer Kinder nach dem geschilderten Konzept befürworten und unterstützen. Das pädagogische Personal schließlich hat den Arbeitsplatz in einem Wald- oder Naturkindergarten aus eigener Motivation und Interesse heraus für sich gewählt. Erzieherinnen benötigen dann geeignete Arbeitsbedingungen und eine gute körperliche Kondition, um in einem Waldkindergarten arbeiten zu können.

Sind diese Bedingungen erfüllt, können sich die Erwachsenen der pädagogischen Arbeit zuwenden.

Kinder sind empfänglich für alles, was ihnen begegnet, und sie nehmen alles so an, wie es ihnen begegnet. Die Aufgabe des Erwachsenen ist, dies zu unterstützen: Er muss Kinder nicht mit Angeboten zum Spiel, zur Kreativität und zur Phantasie anregen. Dies sind bereits ihre Grundbedürfnisse bzw. -anlagen. Kinder haben ihre eigenen Ausdrucksformen, eigenen Zeitrhythmen im Spiel. Sie wollen so frei wie möglich mit Zeit und Raum umgehen und haben auch ein Recht auf Langeweile und Langsamkeit. Kinder wollen die Grenzen ihrer Körperlichkeit erproben, möchten sich zurückziehen und durch ihr Tun Spuren hinterlassen. Sie brauchen Platz für raumgreifende Bewegungsabläufe und realisieren über Körpererfahrung Selbsterfahrung.

Durch zu viele Angebote wird die Entwicklung dieser Bedürfnisse eher blockiert, die Spontaneität eingeschränkt. Zu viele Angebote, durch die der Erwachsene lenken will, wie er es für richtig hält, hindern das Kind daran, die Initiative zu ergreifen und aktiv zu werden. Es konsumiert nur noch.

 

Das Erzieherteam soll stattdessen durch Kontinuität, Sicherheit, Verlässlichkeit und Vertrauen eine Atmosphäre schaffen, in der die Kindergartenkinder sich wohl fühlen. Dazu können Räume gestaltet werden, die kindgerechtes, vielfältiges und naturnahes Spiel ermöglichen. Für das pädagogische Personal bietet das kindliche Spiel eine Möglichkeit, sich auf das Kind einzulassen und in seine Seele zu blicken. Vom Akteur zum Beobachter wechselnd, begleitet der Erwachsene das Kind in seiner freien Entwicklung und in seinem Leben.

Selbstverständlich hat der Erwachsene seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden. Die pädagogischen Fachkräfte sollen sich aber auch als lernende Gruppenmitglieder verstehen. Dann können sie unter anderem von der Natürlichkeit, Spontaneität, Phantasie und Kreativität der Kinder profitieren und ihr eigenes Verhalten auf Grund dessen hinterfragen.

 

Die menschliche Entwicklung

In Jahrtausende langem Prozess hat der Mensch gelernt, die natürliche Welt zu erkennen und sich mit seinen Sinnen an sie anzupassen. Durch diese Fähigkeit ist er auf die Höhe seiner Entwicklung gelangt. Ebenso sicherte sein Drang, seine Umwelt nach seinen Bedürfnissen zu gestalten, das Überleben und führte zu einer bestimmten Lebensqualität. Diese Bedürfnisse zeigen sich auch noch heute im Spiel der Kinder, beim Bau von Höhlen und Lagern, beim Umleiten eines Bachbettes, beim Sammeln von Materialien oder beim Erfinden einfacher Werkzeuge. Die Individualentwicklung eines Kindes spiegelt sozusagen die Wiederholung der Kulturgeschichte der Menschheit wieder, das Kind erlebt im Spiel die kulturelle Evolution. Dafür ist keine Umgebung besser geeignet, als die ungestaltete freie Natur.

 

Das kindliche Spiel

Das Spiel ist so alt wie die Menschheit selbst. Kinder kommen mit der Gabe des Spielens zur Welt, es hat als Urbedürfnis einen sehr hohen Stellenwert in der Entwicklung des Menschen. Spiel bedeutet Lebensaneignung, im Spiel erforscht das Kind seine Umgebung, verarbeitet seine Eindrücke und Erfahrungen und kommuniziert darüber mit anderen. Im freien Spiel kann es üben, an seine individuellen Grenzen zu gehen, im selbstgewählten Rollenspiel Verantwortung zu übernehmen, Spannungen auszugleichen, Konflikte auszutragen, Geduld mit anderen zu haben. Hierbei entdeckt es seine Anlagen und Interessen und entwickelt sich sozial, emotional, motorisch, sprachlich und intellektuell. Das Spiel ist die elementare Form des Lernens, freies Spiel beinhaltet immer Lernprozesse, aus Spielsituationen entstehen moderierte Lernaktivitäten.

Dabei kommt dem Spiel in der Natur, dem Urspiel, eine besondere Bedeutung zu:

  • Das kleine Kind und die Natur sind eins, das Kind schöpft aus dieser Einheit mit der Natur.

  • Kinder kommen als Spielexperten zur Welt und spielen in den ersten 7 Jahren mit dem ganzen Wesen Seele – Geist - Körper. Diese Lebensphase der Ganzheit und des Urspiels kann nicht mehr nachgeholt werden.

  • Je einfacher die Spielräume und Materialien, umso kreativer wird das Spiel sein, je natürlicher die Spielmaterialien, desto natürlicher wird das Kind wachsen.

  • Das Kind ist in der Natur immer tätig und jede Tätigkeit hat ihren Sinn, Kind und Natur leben immer im Hier und Jetzt.

     

    Der Wald als Erzieher

    Nichts in der Natur ist ohne Bedeutung. Aus allem, auch dem Kleinen und Unscheinbaren spricht Würde und Kraft. Arbeiten in der freien Natur ist anderen Regeln unterworfen, als die Arbeit in geschlossenen Räumen. Schon gleich nach dem Betreten des Waldes wird der Besucher von einer anderen Atmosphäre umfangen, alle Sinne werden angesprochen. Farben, Geräusche oder Stille, Gerüche, Berührungen regen den kindlichen Geist und seine Phantasie an. Der Wald bietet eine Vielzahl an Bewegungsmöglichkeiten als auch die Chance, verweilen zu können. Im Wald gibt es keine Türen und Wände, Räume müssen selbst erschlossen und Grenzen festgelegt werden. Trotzdem bietet der Wald Schutz und Behaglichkeit, die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Der Wald erscheint uns jeden Tag gleich und bietet doch jeden Tag Neues. Die Änderungen im Jahreslauf sind spürbar, doch werden die Kinder hierbei nicht von einem raschen Wechsel der Umgebung überfordert. Die Ordnung und Gesetzmäßigkeit der Waldrhythmen besitzen für die Kinder Heilkräfte durch die Erfahrung der Kontinuität, Verlässlichkeit und Sicherheit. Betrachtet man verschiedene Waldkindergärten, so wird man ziemlich rasch feststellen, dass in jeder Einrichtung eine andere Atmosphäre herrscht. Dies ist zum einen natürlich durch die unterschiedlichen Erzieherpersönlichkeiten begründet. Zu einem großen Teil liegt das aber auch an den unterschiedlichen Waldstrukturen – jeder Wald wirkt anders auf seine Besucher und beeinflusst sie in ihrem Verhalten. Dies gilt sowohl für Kinder als auch Erzieher und Eltern. Sie sind gleichermaßen in die Bedingungen des Naturraumes eingebettet – neugierig, überrascht, verbunden als Erfahrungs- und Lernkollektiv, als Gebende und Nehmende. Als zweckfreie, aber dennoch einflussnehmende Größe gibt der Wald Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit, neue unbekannte Seiten der Persönlichkeit an sich und anderen zu entdecken. Es lohnt sich für den Erziehenden, sich zu fragen, welche Stellung die Natur im eigenen Leben einnimmt, was sie wert ist und was von diesen Werten man bereit ist, den anvertrauten Kinder weiterzugeben.

     

    Ganzheitliches Lernen

    Der Mensch, insbesondere das Kind, nimmt die Natur als etwas Ganzheitliches, zu ihm Gehörendes war. Empfindet sie mit seinem ganzen Körper, seiner ganzen Seele und seinem ganzen Geist, also als Einheit. Dieses Eingebunden-Sein in die Natur und das Erleben der wechselseitigen Abhängigkeiten bewirken eine ganzheitliche Harmonisierung von Körper-Geist-Seele, Denken-Fühlen-Handeln. Kinder lernen durch sehen, hören, fühlen, schmecken riechen. Sie müssen sich bewegen und ausprobieren können, um sich selbst und ihre Umwelt im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Das Erleben mit allen Sinnen ist anregender, anschaulicher und nachhaltiger. Die Reize in der Natur sind der kindlichen Entwicklung angemessener, als die oft reizüberflutete Alltagswelt. Das Spielen ohne vorgefertigtes Spielzeug bietet ihnen optimale Entwicklungsmöglichkeiten.

     

    Basiskompetenzen

     

    Personale Kompetenzen

    Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen, wie sie im Wald in vielfältiger Form möglich sind, bedeuten immer Körpererfahrung und somit auch eine Selbsterfahrung des Kindes. Kinder erleben, dass sie etwas bewirken können. Das äußere Bauen von Hütten, Nestern etc. bewirkt immer gleichzeitig ein inneres Bauen der Kinder an ihrer Persönlichkeit.

    Kinder, die in ihrer Kindheit auf Bäume klettern konnten und gelernt haben, hinzufallen, ohne sich zu verletzen, gewinnen Sicherheit und Selbstbewusstsein, das die Grundeinstellung zum Leben beeinflusst.

    Selbstgewählte Abenteuer oder Herausforderungen stärken das Selbstwertgefühl und schaffen ein stabiles Fundament, um mit Belastungen und Stresssituationen besser umgehen zu können.

    „Das brauche ich mir nicht zu merken, das habe ich selbst erlebt.“  Neugierde und Forscherdrang sind Kindern angeboren. Die eigenen Kräfte erproben, die Dinge bewegen, untersuchen, auseinander nehmen, nach dem Wie und Warum fragen…

    Die Wahrnehmung durch Sehen, Hören, Tasten, Schmecken und Riechen ist grundlegend für Erkennens-, Gedächtnis- und Denkprozesse. Die Natur bietet eine Fülle von intensiven und nachhaltigen Sinneseindrücken. Durch die Vielfalt der sinnlichen Erfahrungen wird der Mensch beweglich an Körper und Geist. Jeder Stock hat eine andere Oberfläche. Modriges Holz riecht anders als frisch geschlagenes. Die Geräusche des Waldes, seine Farbenpracht oder die Geschmacksvielfalt seiner Früchte - diese Eindrücke prägen sich tief in das Gedächtnis des Kindes ein. Natur- und Sachwissen, z.B. über Tiere, Pflanzen, Wetter erfolgt aus erster Hand durch unmittelbares Erleben. Zusammenhänge, Analogien oder vernetztes Denken sind ständig präsent und werden von den Erziehern erklärend oder fördernd unterstützt. Das „Spiel“ mit der Natur ohne vorgefertigte Materialien bietet den Kindern die Möglichkeit, die eigene Phantasie einzusetzen und zu entwickeln. Durch minimale Vorgabe im Material bleibt maximaler Raum für die Entwicklung eigenen Ausdrucks und eigener Bilder.

    In der Natur und an der frischen Luft haben die Kinder optimale Gegebenheiten, sich ausreichend und mit viel Freude und Lust zu bewegen.

    Sie können laufen, hüpfen, balancieren, kriechen, klettern, von selbst wieder ins „Verweilen“ kommen, sich eine Pause gönnen oder in eine andere Spielform wechseln.

    Diese grobmotorischen Erfahrungen bilden die Grundlagen für die Entwicklung der Feinmotorik, deren Förderung in der Natur in vielfältiger Weise angeregt wird, z.B. Umgang mit Blättern, Flechtarbeiten mit Gräsern usw.

    Hygienische und präventive Maßnahmen (Händewaschen, Sonnenschutz usw.) werden von den Kindern an sich selbst als wichtig erfahren

     

    Kompetenzen zum Handeln im sozialen Kontext

    Gute Beziehungen, die durch Sympathie und gegenseitigen Respekt, Offenheit und Wertschätzung gekennzeichnet sind, sind die Basis für das soziale Lernen des Kindes. Die  Vorbildfunktion der Pädagogen und der empathische Kontakt zu jedem Kind ist hierbei von besonderer Bedeutung.

    In der Natur mit ihren Verstecken und Nischen sind vielfältige Erlebnisse möglich, bei denen sich die Kinder gegenseitig helfen und die Zusammengehörigkeit der Gruppe stärken. Sie machen immer wieder die Erfahrung, dass manche Sachen, wie Baumstämme transportieren, nur gemeinsam bewältigt werden können. Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft nehmen zu, das Verständnis für andere Kinder wächst.

    Viele Initiativen der Kinder müssen untereinander und auch mit den Erziehern abgesprochen werden. Sie lernen, ihre eigenen Interessen zu vertreten, die Meinungen der anderen gelten zu lassen, zuzuhören und Geduld zu entwickeln. Hier entstehen Kontakte und Kommunikation, Konflikte werden gelöst.

    Der Erzieher beobachtet, regt an und erkennt, wann Hilfestellung nötig ist. Grenzen werden auf natürliche Art und Weise erlebt, z.B. den spitzen Stock richtig handhaben, an den Haltestellen warten, usw. Der Umgang mit Normen und Regeln ist im Wald von besonderer Bedeutung, da die Regeln sehr wichtig und für die Kinder einsichtig sind, z.B. in Ruf- und Hörweite bleiben.

    Das Spiel im Wald ist geprägt von Rücksicht und Verantwortung für die Natur. „Wir sind Gast im Wald“. In einem Kindergarten ohne Türen und Wände lernen die Kinder „hautnah“, sich der eigenen Kultur zugehörig zu fühlen. Andere Kulturkreise sind immer wieder Gegenstand des Spieles, von Gesprächen oder Projekten

     

    Lernmethodische Kompetenz

    Sie ist die Grundlage für einen bewussten Wissens- und Kompetenzerwerb und der Grundstein für lebenslanges, selbstgesteuertes Lernen. Synapsen bilden sich im Gehirn des Kindes vor allem dann, wenn es selbstwirksam, selbstbildend und aktiv beteiligt ist.

    Kinder im Naturraum haben den Anspruch und die Möglichkeiten, grundlegendere Erkenntnisse über ein Sachgebiet, einen Gegenstand oder komplexe Vorgänge zu gewinnen. Bildung im Waldkindergarten heißt, forschendes Lernen in Sinnzusammenhängen.

    Die Prozesse des jahreszeitlich bedingten Werdens und Vergehens werden intensiv erlebt und machen im höchsten Maße neugierig. Diese starken sinnlichen Wahrnehmungen des Kindes in der Natur sorgen für eine besonders intensive Verankerung des Erlebten/Erfahrenen im Langzeitgedächtnis. Die Echtheit von Primärerfahrungen, das Angesprochen-Sein aller Sinne, schafft emotionale Bezüge, die Anlass sind, viele Fragen zu stellen. Hier haben Sachinformationen ihren Platz.

    Viele Bildungsanlässe können gerade im Naturraum ohne großen Aufwand initiiert werden. Den Focus des Interesses auf etwas Neues zu lenken, macht neugierig auf mehr und mit der Menge des Wissens steigt die Zahl der Fragen der neuen Weltenentdecker.

    Der Wald bietet einerseits viel Anregung für die kindliche Entwicklung, andererseits ist er weniger reizüberflutend als die Alltagswelt und schafft somit eine sehr gute Grundlage zur Entwicklung von Konzentration und Ausdauer. Lernen ist somit Bestandteil der gesamten Erfahrungswelt des Kindes. Lernen wird nicht als etwas Zusätzliches im Leben der Kinder, sondern als integraler Bestandteil erfahren

     

    Kompetenter Umgang mit Veränderungen und Belastungen

    Widerstandsfähigkeit ist die Grundlage für positive Entwicklung, Gesundheit, Wohlbefinden und hohe Lebensqualität sowie der Grundstein für einen kompetenten Umgang mit Veränderungen.

    Kinder, die den Umgang mit Belastungen und Veränderungen meistern, gehen aus dieser Erfahrung gestärkt hervor und schaffen günstige Voraussetzungen, auch künftige Anforderungen gut zu bestehen.

    Zu den Aufgaben der Erzieher gehört, die Potentiale zu fördern und bei Problemen Hilfestellungen zu geben

    Naturraum-Pädagogik lebt von „unfertigen Situationen“, sucht die Balance zwischen Wagnis und Sicherheit. Bäume zu erklettern zählt z.B. zu den natürlichen Herausforderungen. Verantwortbare Grenzerfahrungen stärken das Selbstbewusstsein des Kindes und geben ihm die Chance, seine Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Solche Grenzerlebnisse im körperlichen Bereich schaffen ein stabiles Fundament, um auch mit psychischen Belastungs- und Stresssituationen besser umgehen zu können. In der Natur finden die Kinder Bewegungsanlässe, die sie auf die Probe stellen, und sie mit täglich neuen Erfahrungen konfrontieren.

    Da die Natur in einem ständigen Wandel begriffen ist, muss sich das Kind stets auf veränderte Bedingungen einstellen.„Wind und Wetter“ ausgesetzt zu sein, fördert nicht nur die Gesundheit, sondern vermittelt intensive, persönlich prägende Erfahrungen.

    Im Wald finden und gestalten die Kinder Rückzugsmöglichkeiten, um zu sich selbst zu finden.

    Der Umgang und die Auseinandersetzung mit Naturmaterialien, wie sie im Wald in ihrer ursprünglichen Form zu finden sind, haben auf die Kinder beruhigende und ausgeglichene Wirkung. Im wahrsten Sinne „erdend“ und zentrierend.

     

    Übergänge des Kindes

     

    Übergänge sind zeitlich begrenzte Lebensabschnitte und Phasen beschleunigten Lernens, in denen markante Veränderungen geschehen.

    Übergänge bergen Chancen und Risiken. Es sind Brücken zwischen bestimmten Lebensabschnitten. Wer bei einem Übergang diese Brücke betritt, verlässt Gewohntes und Vertrautes.

    Gelungene Übergänge ermöglichen es Eltern und Kindern zu wachsen und ein positives Selbstbild in einer neuen Rolle (als Kindergartenkind, als Eltern eines „großen“ Kindergartenkindes) zu entwickeln

     

    Übergang Elternhaus – Kindergarten

    Für die dreijährigen Waldkindergartenkinder ist es meist das erste Mal, dass sie sich regelmäßig für einige Stunden lösen und eigene Wege in einer neuen Umgebung gehen.

    Wie werden im Waldkindergarten diese Übergänge gestaltet:

    Um die neue Umgebung kennenzulernen, sollen die Eltern sie die ersten Tage begleiten. Eltern und Kinder haben in dieser Übergangsphase Zeit, sich mit ihrem neuen Lebensabschnitt vertraut zu machen und Ängste zu überwinden. Es besteht zudem die Möglichkeit, schon in den Sommermonaten mehrere Schnuppertage wahrzunehmen, um sich mit den Abläufen des Waldkindergartens vertraut zu machen.

    Nach den ersten gemeinsamen Tagen, kann die Anwesenheit der Eltern nach und nach verkürzt werden – das Kind bleibt ab der Brotzeit allein, oder fängt alleine an und die Eltern kommen später dazu.

    Im ständigen Dialog zwischen Eltern und Erziehern gilt es, ein für beide Seiten stimmiges Prozedere zu finden.

     

Für das Kind

  • Zeit, Ruhe und Hilfe für die Kinder, um auf die individuellen Bedürfnisse eingehen zu können (Toilette, Gebrauch von Rucksack etc.) und um Kontakte unter den Kindern anzubahnen und zu begleiten.

  • Annehmen und begleiten im Trennungsschmerz

  • Räumliche Konstanz (nur wenige, gleich bleibende Plätze aufsuchen)

  • Rituale, die Sicherheit und Orientierung geben (Morgenkreis, Hände waschen, Brotzeit, Abschluss)

  • Übergangsobjekte zulassen (Schmusetiere ….)

  • Bei kalter Witterung auf genügend Bewegung achten

  • Zeitliche, stundenweise Steigerung des Kindergartenbesuches

     

Für die Eltern

 

Begleitung der Eltern

Sie erfolgt nach dem Motto: „ Schau, dein Kind wird groß“!

Regelmäßige Elterngespräche über den Entwicklungsstand des Kindes sollen Sicherheit geben und die Loslösung unterstützen.

Bei Defiziten, die nicht im Kindergarten aufgefangen werden können, empfehlen wir die Eltern an entsprechende Beratungsstellen weiter.

Mit einem von und für die künftigen Schulkinder gestalteten Fest verabschieden wir uns von Kindern und Eltern.

 

Kooperation mit der Schule

  • Vertrauensbasis schaffen durch Informationsveranstaltungen, Schnuppertage, Einblick in die Arbeit

  • Gemeinsamer Start in den Tag ( Morgenkreis mit Eltern und Kindern). Den Eltern die Möglichkeit bieten, das Kind so lange wie nötig zu begleiten

  • Hilfestellung bei der Trennung geben

  • Viel Zeit für Gespräche und Feedback über das Verhalten des Kindes während der Kindergartenzeit

     

     

    Übergang Kindergarten – Schule

    Kinder sind sehr motiviert. Sie wollen lernen. Der Eintritt in diese Lebensphase ist sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern mit Unsicherheit verbunden.

    Übergänge werden durch Vertrautes erleichtert. Durch eine intensive Förderung der Basiskompetenzen wie z.B. Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein bereiten wir die Kinder vom ersten Tag an auf das Leben – und die Schule vor. Eine intensive Beobachtung der individuellen Entwicklung während der gesamten Kindergartenzeit hilft dem Erzieherteam, das Kind gut und unterstützend zu begleiten. Die Identifikation als Vorschulkind und das Zelebrieren des Kindergartenabschlusses mit Fahrten, Aktionen und einer Übernachtung im Häusl sind lang ersehnte Momente eines Kindergartenkindes.

     

    Vorbereitung auf die Schule 

    Wie sieht Vorschularbeit im Wald aus? Gibt es Mappen, Vorschuleinheiten, Sprachprogramme? Die Eltern sind oft verunsichert.

    Die Natur bietet ein breites Feld für unmittelbare Lebenserfahrung:

  • Strukturierendes Element der Waldkindergartenarbeit ist der jahreszeitliche Rhythmus. Die Abläufe im Naturkreislauf werden unmittelbar erlebt.

  • Die Kinder haben im Naturraum Platz für raumgreifende Bewegungen. Sie erleben dadurch ihre körperlichen Möglichkeiten und Grenzen. Die Natur bietet eine Vielfalt an Bewegungsanlässen und –möglichkeiten. Ideale Bedingungen zur Förderung der Psychomotorik.

  • Alle Sinne des Kindes – Fühlen, Hören, Riechen, Schmecken und Sehen werden in einer Differenziertheit angesprochen, die der Vielfalt der natürlichen Umgebung entspricht. Durch eigenständiges Erproben, Untersuchen, Experimentieren, Erfinden und Erleben wird der Geist des Kindes angeregt und gefördert.

  • Die Phantasie des Kindes kann sich frei entfalten.

  • Zur ganzheitlichen Erziehung im Waldkindergarten gehören die rhytmisch-musikalische Erziehung, das Erleben von Brauchtum, religiösen Festen und die Vermittlung von Kulturgut wie Märchen. Die künstlerische-ästhetische Förderung greift vorwiegend auf Materialien aus der Natur zurück.

  • Stille wird erfahrbar und sensibilisiert für die „Stimme der Natur“ und das gesprochene Wort.

  • Feuer, Wasser, Luft und Erde gehören zu den existentiellen Lebensgrundlagen des Menschen. Das Erleben der Elemente und der sichere Umgang mit ihnen sind wesentlicher Bestandteil des Waldalltags.

  • Die wechselnden Witterung bereichert den Waldalltag und fördertdas Durchhaltevermögen.

  • Jedes Mitglied der Gruppe ist im besonderen Maße als Helfer und Wissensvermittler gefordert. Auf der Basis des Aufeinanderangewiesenseins wird die soziale Kompetenz der Gruppe und des einzelnen gestärkt. Eingefahrene Verhaltensmuster können geändert, neue eingeübt werden.

  • Das Kind erfährt sich selbst als Teil der Schöpfung, als Teil des Ganzen. Aus dem Gefühl der Geborgenheit erwachsen Verantwortung und Respekt für die Natur.

Durch regelmäßige Treffen zwischen Waldkindergarten und Schule während des letzten Kindergartenjahres , soll der Kontakt zwischen den Kindern, Erziehern und Lehrern aufgebaut und gestärkt werden.

Gegenseitige Besuche, Einladungen zu Festen oder Theateraufführungen, schaffen Vertrautheit und wecken die Neugierde auf den neuen Lebensabschnitt. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Lehrkräften über die Einschulung hinaus, können für die Kinder gute Startmöglichkeiten geschaffen werden.

 

 

Qualitätsentwicklung

 

Dokumentationen

Es werden täglich Statistiken über Kinderzahl, Wetter, Zeckenbisse geführt. Über durchgeführte Angebote und Aktionen der Kinder während der Freispielzeit wird ein Tagebuch geführt.

Eltern und sonstige Interessierte werden anhand von Fotomaterialien über die Aktivitäten im Wald in regelmäßigen Abständen informiert. („Dia-Abend“)

      Auf der Homepage des Waldkindergartens werden Berichte und Bilder aus dem Kindergartenalltag veröffentlicht.

 

 

Planung

In regelmäßigen Abständen wird ein Rahmenplan erstellt, dessen Umsetzung sich über mehrere Wochen oder Monate erstreckt. In einer täglichen Nachbereitungszeit werden Tagesereignisse besprochen und der nächste Tag geplant. Einmal wöchentlich findet eine Teamsitzung statt.

 

Beobachtungen am Kind

Während der Freispielzeit ergeben sich viele Möglichkeiten zur Beobachtung einzelner Kinder – auch über einen längeren Zeitraum. Die Beobachtungen werden in den empfohlenen Beobachtungsbögen Perik, Sismik und Seldak festgehalten und dienen der gezielten Förderung des betroffenen Kindes und als Grundlage für Elterngespräche.

 

Zusammenarbeit mit den Eltern

Bildung und Erziehung von Kindern ist die Aufgabe aller Beteiligten – der Familien und der pädagogischen Fachkräfte. Eltern sind Experten für ihr Kind, Informationsträger und Impulsgeber. Die Zusammenarbeit vor Ort und eine sensible Wahrnehmung der elterlichen Ressourcen werden im Sinne einer gleichwertigen Erziehungspartnerschaft gestärkt.

Ein regelmäßiger, konstruktiver Austausch über pädagogische Inhalte ist ein Muss. Grundlage der Gespräche mit der Elterngemeinschaft wie auch mit Einzelnen ist ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis zueinander. In gegenseitigem Respekt und mit Toleranz sollte Auffälliges und Störendes sofort angesprochen werden. Dadurch lassen sich ungute Gefühle rechtzeitig äußern bzw. erkennen, wodurch größere Probleme vermieden oder Ängste bewältigt werden können. Hierbei sind klare Strukturen und Aufgabenverteilungen hilfreich. Unverzichtbar ist diesbezüglich die Bildung eines Elternbeirats. An Elternabenden, mittels Elternbriefen und Aushängen am Häusl fließen sachliche, zweckdienliche Informationen

Auch die tatkräftige Unterstützung durch die Eltern ist besonders wichtig. Bei Festen, Öffentlichkeitsarbeit, handwerklichen Einsätzen u.v.m ist die Zusammenarbeit aller Beteiligter unverzichtbar.

 

Elternnotdienst

Bei Krankheit und Ausfall einer pädagogischen Kraft kann im eigentlichen Kindergartenbetrieb die Mitarbeit von Eltern in Form von Elternnotdiensten notwendig werden.

 

Elternmitgehtag

Einmal im Monat wird zum Elternmitgehtag eingeladen. Wer Zeit und Lust hat, an diesen Tagen teilzunehmen, kann einen Einblick in die täglichen Abläufe, die Spiele und Besonderheiten des Kindergartenalltags gekommen.

 

Ziel einer intensiven Elternzusammenarbeit ist, die Erziehungsarbeit transparent zu machen und die Eltern am Kindergartengeschehen teilhaben zu lassen. Die Elternarbeit der Erzieherinnen umfasst selbstverständlich neben der allgemeinen Information auch die fundierte Beratung einzelner Eltern über den Entwicklungsstand, Stärken, Schwächen und Möglichkeiten ihres Kindes sowie das Einleiten unterstützender Schritte.

 

Vernetzungsarbeit/Öffentlichkeitsarbeit

 

Als neue Bildungsinstitution in der Gemeinde Altfraunhofen liegt es in unserem Interesse, guten Kontakt zu anderen Einrichtungen aufzubauen, zu pflegen und mit diesen nachhaltig und konstruktiv zusammenzuarbeiten. Zu diesen Einrichtungen zählen wir:

  • Kindergarten St. Nikolaus Altfraunhofen

  • Grundschulen in Altfraunhofen, Vilsheim, Landshut und Geisenhausen

  • Logopäden und Ergotherapeuten

  • Fachakademien in Mühldorf und Landshut

  • Kinderpflegeschule in Landshut

  • Landratsamt Landshut (Kreisjugendamt, Gesundheitsamt)

  • Örtliche Vereine

  • Waldkindergärten der Region Landshut

  • Landesverband der Waldkindergärten in Bayern

     

    Um sich einen unmittelbaren eigenen Eindruck von der Waldpädagogik machen zu können, ist es sehr sinnvoll, interessierte Eltern, die Presse oder auch Klassen von Fachakademien für Sozialpädagogik zu Besuchen und Hospitationen in den Waldkindergarten einzuladen. Praktikanten erhalten die Möglichkeit zum Einsatz.

     

    Teil III - Themenbezogene Bildungs- und Erziehungsbereiche

    Umsetzung der Ziele des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans

     

    Wertorientierung und Religiosität

    Im Waldkindergarten können die Kinder sehr bewusst und ganzheitlich religiöse Grundeinstellungen erwerben.

    Durch den täglichen Aufenthalt im Freien entsteht bei den Kindern eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Dies macht es den Kindern möglich, die Grundhaltungen des Staunens, Dankens und Bittens auf natürlichste Weise zu erfahren. Im Erleben der Vielfalt der Schöpfung entsteht eine Wechselwirkung zwischen Gefühlen der Geborgenheit, des Vertrauens und Trostes einerseits, sowie der Wertschätzung der Natur und des Lebens andererseits. Aus diesem Empfinden heraus lernen die Kinder für ihren weiteren Lebensweg, Verantwortung für sich, ihr Handeln und dessen Folgen zu übernehmen.

    Auch den Prozess des Werdens und Vergehens erleben die Kinder in der Natur immer wieder aufs Neue. Über Fragen der Sinngebung, die sich aus solchen Situationen ergeben, kann man mit den Kindern dann gut philosophieren.

    Jeden Tag meistern die Kinder im Wald neue Herausforderungen und finden für verschiedenste Probleme kreative Lösungen. Sie müssen Misserfolge verkraften und lernen während des Spiels mit anderen Kindern ihre eigenen Stärken und Schwächen kennen. Durch diese intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Körper kann sich jedes Kind als individuelle Persönlichkeit erleben und ein positives Selbstbild entwickeln. Diese positive Einstellung zu sich selbst ist eine grundlegende Voraussetzung für die Entwicklung moralischer Werte. Denn erst, wenn ich mich selbst achte, kann ich auch andere mit ihren Stärken und Schwächen akzeptieren und tolerieren.

    Im Waldkindergarten ist es besonders wichtig, dass die Kinder einander helfen, aufeinander achtgeben und aufeinander warten können, denn nur so kann der Alltag im Wald gemeinsam bewältigt werden. Von Anfang an erleben die neuen Kinder dieses System und beginnen sehr schnell, diese Handlungsweisen zu übernehmen. Sie entwickeln so im Laufe der Zeit viele soziale Kompetenzen, wie Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen u.v.m.

    In einer spielzeugfreien Umgebung erkennen die Kinder leichter, was im Leben wirklich wichtig ist und zur ihrer Zufriedenheit beiträgt. Dem Konsumdenken unserer Gesellschaft wird entgegengewirkt.

    Das Vorbereiten und Feiern von religiösen Festen ergibt sich im Jahreslauf wie von selbst. Biblische Geschichten und Erzählungen aus anderen religiösen Kulturkreisen oder Dankgebete zur Brotzeit und im Schlusskreis ergänzen das Angebot.

     

    Emotionalität, soziale Beziehungen und Konflikte

    Um Kinder in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung unterstützen zu können, ist es von besonderer Bedeutung, dass eine Basis des Vertrauens zwischen dem pädagogischen Personal und dem Kind geschaffen wird. Hierbei leistet die Natur große Hilfe, beim Aufenthalt im Freien gelingt es sehr schnell, Kontakte zu knüpfen. Das Spiel in der Natur begeistert die Kinder so sehr, dass ihre Ängste in den Hintergrund treten und sie so ungezwungener auf andere zugehen und sich mit Leib und Seele dem Spiel widmen können. Im Laufe des Kindergartenjahres entstehen zwischen einzelnen Kindern intensive Kontakte.

    In einer Kindergartengruppe treffen viele Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle der einzelnen Kinder zusammen. Immer wieder müssen Kinder, zu Gunsten anderer, ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen. Dies fällt ihnen oft noch schwer und löst Gefühle wie Wut, Verzweiflung, Trauer oder Zorn aus. Mit Unterstützung, Verständnis und Trost des Erwachsenen oder anderer Kinder gelingt es ihnen, diese Situationen zu bewältigen. Hierbei lernt das Kind seine Gefühle zu verstehen, zu äußern und mit ihnen umzugehen.

    In der Waldgemeinschaft erlebt das Kind aber nicht nur negative, sondern vor allem positive Gefühle, wie Freude, Zusammengehörigkeit, Zuneigung usw. Im Wald können die Kinder ihre Gefühle fast uneingeschränkt zum Ausdruck bringen. Im Wald stört es nur selten, wenn ein Kind vor Freude herumspringt und jubelt oder vor Wut schreit oder seine Aggressionen im wilden Lauf abreagiert.

    Der Aufenthalt im Wald fordert von den Kindern eine Vielzahl von sozialen Kompetenzen. So müssen sie beispielsweise auf dem täglichen Weg an den jeweiligen Haltestellen aufeinander warten, sich in demokratischer Abstimmung auf einen Platz einigen, aufeinander achten und einander helfen. Während der Freispielzeit entwickeln sich täglich Projekte, bei denen mehrere Kinder zusammenhelfen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Beim Bau einer großen Hütte fallen verschiedene Aufgaben an, einige Kinder besorgen das Material, andere fungieren als Architekten oder Innenausstatter oder können gut mit Werkzeug umgehen. Alle erleben dabei, welche Vorteile und wie viel Spaß eine gemeinsame Aktion bringt.

     

    Natürlich kommt es in einer Gruppe von Kindern immer wieder zu Konflikten. Aufgabe der Kinder ist es, Konflikte lösen zu lernen und Kompromisse zu schließen. Je nach Alter und sozialer Kompetenz des jeweiligen Kindes ist die Unterstützung durch Erwachsene nötig. Ziel des pädagogischen Personals ist, die Kinder zu motivieren, ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, anderen Kindern zuzuhören, um dann gemeinsame Lösungen für auftretende Konflikte zu finden. Mit Bilderbüchern, Rollenspielen, Puppentheater etc. wird dieser Prozess unterstützt.

     

    Sprache und Literacy

    Die Entwicklung der Sprachkompetenz ist eine wesentliche Voraussetzung, um mit der Umgebung in Kontakt zu kommen und erfolgreich am alltäglichen Miteinander teilzuhaben.

    Durch das Fehlen vorgefertigten Spielmaterials sind die Kinder wesentlich stärker auf eine gute Kommunikation angewiesen. ( Ist der Fichtenzapfen nun ein Motorrad, eine Kuh oder vielleicht Zahlungsmittel?)

    Schon auf dem gemeinsamen Weg nützen die Kinder die Gelegenheit, wichtige Neuigkeiten, Erlebnisse aus der Familie oder Entdeckungen am Wegesrand mitzuteilen. Dabei lässt sich auch der Zusammenhang von Bewegung und Sprechfreude deutlich erkennen, Sprechhemmungen oder Sprachauffälligkeiten sind bei solchen Gesprächen oft geringer.

    Die Entdeckungen in der Natur regen die Kinder an zum Nachfragen, Philosophieren und Weiterspinnen von Geschichten. Begriffe aus der Tier- und Pflanzenwelt erweitern den Wortschatz und die Fähigkeit sich differenziert auszudrücken spielerisch im Alltag. Im sprachintensiven Rollenspiel setzen sie ihre Fähigkeiten dann gezielt ein, um mit anderen gemeinsam zu agieren, Ideen auszutauschen, Verhandlungen zu führen, Konflikte zu beheben, Vorgehensweisen zu diskutieren und ihre Phantasiewelt ausführlich zu beschreiben.

    Selbstverständlich finden Lieder, Reime, Gedichte, Fingerspiele, alte Kinderspiele, Quatschsprache, Laut- und Sprachspielereien, Geschichten und andere Sprachangebote auch im Wald statt. Gerade Märchen und Naturmythologien, die ja über Jahrhunderte nur mündlich überliefert wurden, entfalten im Wald eine ganz eigene Intensität. Gerne spielen die Kinder Erzählungen nach, sie sind entweder selbst die Darsteller oder bauen sich Kulisse und Spielfiguren aus Naturmaterial.

    Die Natur bietet vielerlei Möglichkeiten, Schriftzeichen zu entdecken oder zu hinterlassen. Ob mit Kohle auf Bäume oder Steine gemalt, in den Schnee geritzt oder mit Seilen, Steinen oder Stöcken gelegt, auf vielerlei Arten kann Schrift in der Natur vermittelt werden.

    Aber auch Papier und verschiedene Mal- und Schreibgeräte stehen den Kindern zur Verfügung.

    Regelmäßige Besuche in der Altfraunhofener Bücherei erleichtern den Zugang zum Medium Buch und lassen das Ausleihen von Büchern zu einem vertrauten Vorgang werden.

    Ausflüge ins Theater, Führungen oder Museumsbesuche bieten zusätzliche Anregungen.

    Da in unserem Waldkindergarten der Anteil an mehrsprachig aufwachsenden Kindern sehr gering ist, liegt der Schwerpunkt im Entdecken der Anderssprachigkeit in der Verwendung von Liedern, Versen oder der Verarbeitung von Urlaubserfahrungen.

    Auch der bewusste Wechsel zwischen Dialekt und Hochsprache, dem Lernen von Liedern und Geschichten in Mundart dienen dem genauen Hinhören und befähigen die Kinder, ihre Sprache bewusst zu variieren.

     

    Informations- und Kommunikationstechnik, Medien

    Selbstverständlich kann dieser Bereich in einem Waldkindergarten nie Schwerpunkt sein, da einerseits der naturpädagogische Ansatz gerade als bewusster Gegenpol zur übertechnisierten Umwelt entstanden ist, andererseits im Wald bestimmte Medien aus technischer Sicht nicht eingesetzt werden können. Natürlich wollen wir aber diesen Bereich nicht komplett ausklammern, da er den Kindern in ihrer Lebensumwelt täglich begegnet. Besonderes Augenmerk wird im Waldkindergarten auf die Auswahl der Methoden gelegt.

    Wir versuchen die Kinder beim Erwerb von Medienkompetenz wie im folgenden beschrieben, zu unterstützen.

    Die Medienerlebnisse der Kinder, die sie täglich beschäftigen, werden in Gesprächen verbalisiert und in Rollenspielen verarbeitet. Computer und Handys tauchen in den unterschiedlichsten Variationen im Rollenspiel auf. Die Kinder verwenden viel Energie, um aus den verschiedensten Naturmaterialien verblüffend echt aussehende Geräte zu konstruieren. Wie in den Familien erleben die Kinder den gezielten Einsatz von Medien, sowie Alternativen dazu und lernen dadurch sich die Zeit der Mediennutzung bewusst einzuteilen.

    Während Ausflügen kommen die Kinder in Kontakt mit verschiedensten Medien, wie z.B. Fußgängerampeln, Strichcodescanner, Computerausleihe etc. und erfahren dabei deren Verwendungs- und Funktionsweise. Durch Sachbücher werden diese Themen vertieft.

    Auch im Wald werden Medien regelmäßig genutzt. Sehr geeignet für den Einsatz in der Natur sind Digitalkamera oder Videokamera. Kinder können ihre Bauwerke fotografieren oder entdeckte Pflanzen und Tiere ablichten und das Bild mit nach Hause nehmen. Fotoprojekte – z.B. Schattenbilder der Kinder- können als Spiel- und Ratematerial eingesetzt werden.

    Der Einsatz von auditiven Aufnahmegeräten ist ebenso gut möglich und lädt zur Hörspielproduktion ein.

    Der Einsatz von Computern ist im Wald aus technischer Sicht nicht möglich. Hier ist der verantwortungsvolle Einsatz der Eltern gefragt. Wir müssen uns auch bewusst machen, dass ein Großteil unserer Eltern dem Medienkonsum sehr kritisch gegenübersteht und deshalb unseren Waldkindergarten als adäquate Einrichtung gewählt hat.

     

    Mathematik

    Im Naturraum haben die Kinder viele Möglichkeiten und viel Zeit sich zu bewegen und dabei ihren Körper und ihre Umgebung kennen zu lernen. So gelingt es ihnen, ihr Körperschema zu erfassen, was wiederum als Grundlage der räumlichen Orientierung dient. Mit diesen Erkenntnissen ausgestattet, finden sich die Kinder zunehmend besser in ihrem Waldgebiet zurecht. Am Ende ihrer Kindergartenzeit, sind die meisten in der Lage, einen detaillierten Plan des Waldes mit seinen verschiedenen Plätzen und Wegen aufzuzeichnen.

    Durch die intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und den sie umgebenden Materialien lernen Kinder spielerisch Dinge zu vergleichen, zu klassifizieren und zu ordnen. Sie erleben, dass ein Stein rund oder eckig, schwer oder leicht, flach oder dick sein kann.

    Während des Freispiels üben sich die Kinder immer wieder als Architekten, Baumeister und Künstler und sammeln so Erfahrungen mit ein- und mehrdimensionaler Geometrie. Sie haben genaue Vorstellungen darüber, wie ihre Bauten, Figuren, Muster oder sonstigen Gegenstände aussehen sollen und suchen sich das in Länge, Stärke und Form passende Material. Im Laufe der Zeit verfeinert sich dabei ihr visuelles und räumliches Vorstellungsvermögen, sie beginnen Details zu bauen.

    Erste Erfahrungen mit Zeit, Monatsnamen und Wochentagen können die Kinder zum einen durch einen strukturierten Tages- und Wochenablauf sammeln, zum anderen durch gewisse Rituale im Morgen- bzw. Schlusskreis. So wird z.B. jeden Morgen gezählt, wie viele Kinder da sind und wie viele fehlen, oder das Datum und der Wochentag genannt.

    Zähl- und Zuordnungsspiele und einfache Rechenoperationen finden im freien Spiel ihren Platz und müssen nicht eigens angeleitet werden.

     

    Naturwissenschaft und Technik

    Dem Forscherdrang des Kindergartenkindes werden im Wald nur wenig Grenzen gesetzt, denn die Möglichkeiten zu Entfaltung sind immens und meist mit wenig Aufwand und Vorbereitung durchzuführen.

    Durch den täglichen Aufenthalt im gleichen Waldgebiet können die Kinder sehr genau die kurz- und längerfristigen Veränderungen in ihrer Umwelt beobachten und die Wahrnehmung auch für kleine Details wird zunehmend geschärft. Der Jahreskreislauf, Naturveränderungen und verschiedene Wetterphänomene werden von den Kindern intensiv erlebt und werfen bei ihnen zahlreiche Fragen auf. In langen Gesprächen, durch Bücher, Mythologien und Experimente werden gemeinsam Antworten gesucht und so prägen sich die ersten Erkenntnisse dieser naturwissenschaftlichen Gegebenheiten stark ein.

    Der Kreislauf des Lebens wird besonders intensiv wahrgenommen, wenn z.B. ein Baum durch das Jahr hindurch immer wieder besucht und beobachtet wird. Zuerst entdeckt man die Blüte, dann die Früchte und Samen, die zur Erde fallen und dort unter dem Schnee überwintern, um im Frühjahr erneut auszutreiben.

    Bei den Beobachtungen der umgebenden Flora und Fauna erreichen die Kinder im Lauf der Zeit ein fundiertes Wissen, das im täglichen Umgang mit Bestimmungsbüchern oder Spielen und Projekten weiter gefestigt wird.

    Besonders dem intensiven Kontakt mit den vier Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft, die in hohem Maße zum Experimentieren und Erforschen einladen, wird im Waldkindergarten ausreichend Platz gegeben und so das ganzheitliche Erfahren ermöglicht.

    Die Kinder erleben die unterschiedlichen Aggregatzustände des Wassers und die sich daraus ergebenden Eigenschaften. Kinder erleben den festgefrorenen Schnee, der staubt wie Puderzucker, Pappschnee, stauen Schmelzwasserbäche, stampfen auf gefrorene Pfützen oder beobachten wie diese in der Sommersonne austrocknen. Nebel verteilt seine feinen Wassertröpfchen auf Spinnenweben und ein Regenbogen fasziniert die Kinder mit seiner Farbenpracht. Es gibt jeden Tag unzählige Anregungen und Naturwunder zu entdecken und zu bestaunen.

    Die Kräfte von Wind, Wasser und Sonne erleben die Kinder hautnah, die Nutzung dieser zukunftsträchtigen Energieformen ist dadurch leicht auszuprobieren und zu vermitteln.

    Bei den vielen Bewegungsspielen entdecken die Kinder am eigenen Körper physikalische Gesetzmäßigkeiten, beim Bauen und Konstruieren stoßen sie ganz nebenbei auf die spielerische Anwendung von Hebel, Rad, Waage, oder schiefer Ebene.

    Wir zeigen den Kindern die richtige Anwendung von unterschiedlichen Werkzeugen und ihren bestmöglichen Einsatz.

     

    Umwelt

    Das Leben in der Natur bietet eine Fülle von intensiven und nachhaltigen Sinnesanreizen. Der Frühling wird erst in Relation zum Winter so richtig fassbar. Winter ist still, starr, arm an Farben, Geräuschen und Gerüchen. Frühling bedeutet die Explosion der Farben, Geräusche, Düfte. Die Kinder nehmen diesen Rhythmus der Natur und die vielfältigen, komplexen Abläufe mit allen Sinnen gleichzeitig war. Die Natur liefert originales Erleben und nicht mühsam rekonstruierte einzelne Sinneseindrücke und Erklärungen. Das im Kind gespeicherte Potential der Sinne wird bewahrt und sensibilisiert:

  • Die differenzierte Wahrnehmung des Auges wird geschult, wenn im Frühjahr im allmählich tauenden Schnee eine Vielzahl von verschiedenen Grüntönen und Blattformen zu erkennen sind.

  • Das Riechen und Schmecken der verschiedenen Kräuter und Beeren, des regennassen Waldbodens oder des Baumharzes verfeinert Geruchs- und Geschmackssinn.

  • Der weiche Boden, raue Baumrinde, glatte Steine, aber auch Wind, Kälte, Nässe und die Wärme der Sonnenstrahlen werden gespürt, fallende Regentropfen und schmelzende Schneeflocken auf der Hand gefühlt.

Die von Rauschen, Plätschern oder Zwitschern unterbrochene Stille ist ausgesprochen wertvoll für die allgemeine Differenzierung des Hörens.

So ist die Begegnung mit der Schönheit, der Farb- und Formenvielfalt und der immer wiederkehrenden Lebendigkeit der Natur eine persönliche Bereicherung und in der heutigen Lebenssituation der Kinder von unschätzbarem Wert.

Durch das tägliche direkte Erleben gewinnen die Kinder grundsätzliche Einsichten in Sinn- und Sachzusammenhänge der natürlichen Umwelt und elementare, biologische Gesetzmäßigkeiten. Rhythmus und Wirkung der Jahreszeiten werden ihnen vertraut. Im täglichen Spiel erleben und erforschen sie die Natur, entdecken ihre Geheimnisse und stellen einen persönlichen Bezug zu ihr her. Das Kind hat die Möglichkeit sich als Teil des Ganzen zu erfahren.

Die Waldkinder fühlen dabei, welchen unschätzbaren Wert der Wald für Menschen, Tiere und Pflanzen hat und lernen, behutsam mit Lebendigem umzugehen. Ihre Erlebnisse im Waldkindergarten führen sie zu Wertschätzung und Liebe für die natürliche Umwelt und befähigt sie, auch später Verantwortung zum Schutz des Lebens zu übernehmen.

Der täglich praktizierte Umweltschutz prägt sich bei den Kindern nachhaltig ein. So wird unnötiger Müll vermieden, Abfall wieder mitgenommen.

Die Kinder lernen, wie wichtig sauberes und ausreichendes Wasser für alle Lebewesen ist, wenn sie miterleben, wie Pflanzen und Tiere verdorren oder vertrocknen.

Auch die Veränderungen, die wir durch unseren Aufenthalt im Wald verursachen, werden den Kindern bewusst. Daraus folgen erste Schritte in Richtung Übernahme von Verantwortung, Verhaltensregeln im Wald, die das rücksichtsvolle Umgehen mit Flora, Fauna und Mitmenschen beinhalten.

 

Ästhetik, Kunst und Kultur

Die Natur als Umgebung mit reichhaltigem Potential an Raum, Materialen, Formen, Farben, Aggregatzuständen bietet das ideale Umfeld für Kindergartenkinder eigene Gestaltungs- und Ausdruckswege zu entdecken. Die Naturmaterialien besitzen großen Aufforderungscharakter zu kreativem und phantasievollem Spiel. Denn sie sind beliebig einsetzbar und ihnen wohnt eine natürliche Ästhetik inne, die Kinder sehr anspricht. Durch diesen ästhetischen Rahmen bietet die Natur auch eine besondere Kulisse für Rollenspiel, Nachspielen von Erzählungen und Märchen.

Die Fähigkeit der Kinder, die Schönheit der Natur zu erkennen, Formen zu entdecken, Farben zu unterscheiden, Gestalt und Formen in Gegenständen zu interpretieren, ist die Grundlage für ihr gestalterisches Tun. Im freien Spiel werden so aus Erdhügeln Ritterburgen und Wohnungen, aus einem Stock eine Figur, aus Moos eine Bettdecke. Je differenzierter die Kinder erkennen, umso komplizierter, materialreicher und aufwändiger werden die Bauten aus Naturmaterial. Die Kinder sind jeden Tag auf’s Neue Gestalter ihrer eigenen Spielwelten. Natürlich sind so große Bauprojekte oft Gemeinschaftsarbeiten, bei denen die Kinder lernen, miteinander Ideen umzusetzen, gestalterische Kompromisse einzugehen, vernünftig mit Ressourcen zu haushalten, die Grenzen des Materials kennen zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren.

Ohne das Eingreifen der Erwachsenen werden solche Bauwerke aber selten länger in ihrer Grundform erhalten. Die Erbauer sind Um-Gestalter oder auch Zerstörer ihrer eigenen Gebilde, das veränderliche, kreative Tun steht im Vordergrund.

Die Natur bietet viele Formen und eine Fülle von Farbnuancen, es macht den Kindern viel Freude damit zu experimentieren, Rindenstrukturen können mit Wachsmalkreiden auf Papier gerubbelt werden, mit verschiedenen Blättern kann gedruckt werden, verschiedenes Naturmaterial als Pinsel verwendet werden. Naturfarben lassen sich aus den unterschiedlichsten Materialien herstellen. Bemalt werden damit außer Papier auch Steine, Rinde, Schnee oder Haut.

Ganz besonders interessant ist selbstverständlich die Kunstform „Land Art“, die von dem Reiz der Naturmaterialien und der Vergänglichkeit lebt. Auch Skulpturen von Holzbildhauern regen die Kinder an, da sie selbst mit diesem Material sehr vertraut sind. Besonders dreidimensionales Arbeiten mit großem Körpereinsatz wird von den Kindern geschätzt, sie können sich dabei richtig ausleben. Besondere Gestaltungsmaterialien wie Schnee, Eis oder Lehm bringen zusätzliche Erfahrungen.

Durch Besuche im Museum, Ausstellung, Theater oder der Einladung ortsansässiger Künstler können die Kinder andere Kunstformen kennen lernen und für sich weiterentwickeln.

 

Musik

Musikalische Erziehung wird in unserem Waldkindergarten auf unterschiedlichste Weise praktiziert. Zum einen werden mit den Kindern gezielte Angebote gemacht, zum anderen finden die Kinder während der Freispielzeit immer wieder Möglichkeiten diesen Bereich aufzugreifen. Im Morgenkreis begrüßen wir uns mit Morgenliedern oder Singspielen oder erarbeiten ein zum Thema passendes Lied

Geschichten werden mit Rhythmusinstrumenten oder Naturmaterialien (Steine, Stöcke, Zapfen etc.) verklanglicht oder begleitet. Sprach- und Klatschspiele werden angeboten.

Die Entdeckung und der kreative Einsatz von musikalischen Elementen in der Gruppe macht den Kindern viel Freude , fördert den Gemeinschaftssinn und ermöglicht den Kindern immer wieder neue Erkenntnisse in diesem Bereich zu sammeln. Das Kind lernt zwischen laut und leise, tief und hoch, schnell und langsam zu unterscheiden. Die Kinder erleben die Unterschiedlichkeit der einzelnen Kinderstimmen und erproben ihre eigene Singstimme mit all ihren Facetten. Durch die tägliche oder jahreszeitlich bedingte Wiederkehr einzelner Lieder, gelingt es ihnen, diese zu verinnerlichen und bilden ein gewisses Repertoire an Liedern aus. Durch den regelmäßigen Einsatz bestimmter Instrumente wissen die Kinder, wie diese zu benutzen sind und für welche Zwecke sie diese verwenden können.

Die natürliche Umgebung im Wald bietet den Kindern immer wieder Möglichkeiten unterschiedlichste Geräusche und Klänge wahrzunehmen, zuzuordnen und deren beruhigende Wirkung zu erfahren.

Während der Freispielzeit werden von den Kindern hauptsächlich Naturmaterialien verwendet, mit denen sie musikalisch experimentieren. Dabei können sie unterschiedlichste Erfahrungen mit Klängen, Geräuschen und Rhythmen sammeln. Die Materialvielfalt im Wald regt die Kinder immer wieder dazu an, neue Instrumente zu erfinden.

 

Bewegung, Rhythmik, Tanz und Sport

Bewegung zählt zu den grundlegenden Betätigungs- und Ausdrucksformen von Kindern. Für sie ist Bewegung ein natürliches Mittel, Wissen über ihre Umwelt zu erwerben, ihre Umwelt zu begreifen, auf ihre Umwelt einzuwirken, Kenntnisse über sich selbst und ihren Körper zu erwerben, ihre Fähigkeiten kennen zu lernen und mit anderen Personen zu kommunizieren. Gemachte Erfahrungen in Verbindung mit Bewegung können im Gehirn besser verarbeitet und verankert werden. So fördert also Bewegung auch die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten. Im Vorschulalter ist Bewegung unverzichtbar, um der natürlichen Bewegungsfreude des Kindes Raum zu geben, das Wohlbefinden und die motorischen Fähigkeiten zu stärken sowie eine gesunde Entwicklung zu gewährleisten.

Der Waldkindergarten bietet den Kindern unterschiedlichste Bewegungserfahrungen. Bereits auf dem Weg zu den jeweiligen Plätzen können die Kinder ihre körperliche Geschicklichkeit erproben und immer wieder verbessern. Jeder auf dem Weg liegende Baumstamm wird zum Klettern, Balancieren und Herunterspringen genutzt. Während der Freispielzeit kann sich das Kind nach seinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen Bewegungsmöglichkeiten wählen. Durch Laufen, Klettern, Springen, Kriechen usw. lernen die Kinder ihren eigenen Körper und dessen Grenzen auf natürlichste Weise kennen und erweitern stetig ihre motorischen und koordinativen Fähigkeiten. Das Laufen auf unebenem, federndem Waldboden fördert den Gleichgewichtssinn und schont dazu die Gelenke.

Aktivitäten in der Gemeinschaft helfen den Kindern Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen. Sie erleben, wie ermutigend es ist, Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen, sich gegenseitig zu unterstützen und anzuspornen, aber auch sich an Regeln zu halten und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Durch rhythmische Bewegungen können sich die Kinder Zeit und Raum erarbeiten. Sprechverse verdeutlichen eine zurückgelegte Strecke oder bringen ein Gleichmaß in den Schrittrhythmus.

Tanz als Ausdruck der Freude wird von den Kindern spontan oder als gemeinsames Kreisspiel, angeleiteter Gruppentanz erlebt. Im Gegensatz zum selbstgestalteten freien Tanz, kommt es bei gemeinsamen Tanzspielen auf Regeln und Rücksichtnahme an, um ein Gesamtbild entstehen lassen zu können.

Wenn die Kinder genügend grobmotorische Erfahrungen gesammelt haben, beginnen sie von selbst ihre feinmotorischen Fähigkeiten zu verfeinern. Um Tannennadeln, kleine Steine oder Blätter genau platzieren zu können, verwenden die Kinder den Pinzettengriff. Je ausgeprägter die Feinmotorik, desto genauer und detailgetreuer wird gearbeitet. Eine gute Stifthaltung als auch der präzise Umgang mit der Schere profitieren davon.

Der Wald bietet nicht nur Raum für Bewegung, sondern auch Möglichkeiten zur Ruhe zu kommen. Dies ist für Kinder von besonderer Bedeutung, um sich ausruhen und ihre gesammelten Eindrücke verarbeiten zu können. Jedes Kind kann für sich entscheiden, ob es alleine oder mit anderen, aktiv oder in Ruhe sein will.

 

Gesundheit

Im Waldkindergarten wird der natürliche Bewegungsdrang der Kinder ungehindert ausgelebt. Jedes Kind kann sich seinem Entwicklungsstand entsprechend die Schwierigkeit seines Bewegungsspieles wählen, kann allein, durch Hilfe oder Anregung der Erwachsenen vielfältigste Bewegungsmöglichkeiten kennen lernen. Es hat dabei genügend Zeit und Raum, sich und seinen Körper auszuprobieren und die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen. Diese Erfahrungen stärken Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination, Raum-Lage-Verständnis und Gleichgewichtssinn.

Über das intensivere Körperbewusstsein, unmittelbares Erleben, eigene Erfahrungen mit allen Sinnen, das Ausagieren von Gefühlen, Stressabbau durch Bewegung, entwickeln die Kinder großes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Dies führt auch bei Kindern, die als „schwierig“ und sozial unverträglich gelten, zu körperlich-seelischer Stabilität und ist eine der besten Voraussetzungen, sich später in der Gesellschaft konstruktiv und kreativ einzubringen.

Von unschätzbarem Wert ist auch das Erleben der Stille im Wald. Es führt zu Ruhe, Konzentration und innerer Ausgeglichenheit, macht sensibel für feinste Geräusche und Vorgänge, sowohl in der Natur als auch im eigenen Körper. Auch das tägliche Spiel wird von einer angenehmen Lautstärke bestimmt, da mehr Raum zur Verfügung steht und sich die Geräusche im Wald einfach verlieren.

Neben ausreichender Bewegung ist gesunde Ernährung ein weiterer wichtiger Faktor, Übergewicht und Zivilisationskrankheiten vorzubeugen. Kinder sind sehr empfänglich für dieses Thema und lassen sich für das Sammeln von Heilkräutern oder dem Zubereiten von vollwertigen Speisen begeistern. Der Aufenthalt im Wald fördert den Appetit auf vollwertiges Essen.

Wir beteiligen uns am Europäischen Schulobstprogramm und erhalten einmal wöchentlich eine Lieferung Obst und Gemüse der Höhenberger Biokiste. Das Obst und Gemüse wird mit den Kindern gemeinsam geschnitten und zusätzlich zur Brotzeit gegessen. Die Kinder erfahren so verschiedene Geschmacksrichtungen und die unterschiedlichen Konsistenzen der Speisen. Gespräche über die Vorteile von ökologischem Anbau, Plastik- und Müllvermeidung schließen sich hier an.

Gartenarbeit

In unserem kleinen Gemüsegarten helfen die Kinder mit, einfache Gemüsesorten, wie Kartoffeln und Zwiebeln, Radieserl und Erbsen anzubauen. Sie können das Wachsen beobachten, übernehmen durch regelmäßige Gieß- und Gartenarbeiten Verantwortung, und können am Ende die Früchte ernten und verarbeiten.

In Lebensfreude Wind und Wetter ausgesetzt zu sein, stärkt das Immunsystem und bringt die Kinder dazu, auf die Signale ihres Körpers zu achten. Sie lernen sich selbst entsprechend zu kleiden, bei Kälte zu schützen, bei Nässe umzuziehen oder bei Hitze mehr zu trinken.

Durch den täglichen Aufenthalt im Wald lernen die Kinder sehr schnell mögliche Gefahrenquellen kennen und richtig darauf zu reagieren. Das gemeinsame Erarbeiten von Umgangsregeln führt zur Einsicht, dass bestimmte Handlungen gesundheitliche Risiken bergen und deshalb Schutzregeln einzuhalten sind. Die Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper bringt die Kinder dazu, sich sehr genau einschätzen zu können. Sie kennen die persönlichen Grenzen beim Klettern, Balancieren oder Rollen und bringen sich dadurch nicht unnötig in Gefahr.

Hygienische Maßnahmen, wie das gründliche Waschen der schmutzigen Hände vor der Brotzeit, werden auch im Wald umgesetzt. Ebenso wird der Umgang mit Zecken, giftigen Pflanzen, Kälte oder bei Verletzungen mit den Kindern besprochen. Kleinere Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Insektenstichen, Schürf- oder Schnittwunden können die Kinder selbst erlernen.

Waldkindergärten bieten die Grundlage für eine adäquate, früh ansetzende Prävention im Bereich des Sucht- und Aggressionsverhaltens: Jeder Hügel fordert zum Ersteigen und Herumturnen, jeder Baum zum Klettern oder Balancieren, jeder Graben zum Drüberspringen. Die Kinder werden mit ihrem Körper vertraut, lernen ihre Kräfte einzuschätzen, mit ihren Stärken und Schwächen umzugehen und die Wichtigkeit eines gesunden Körpers zu schätzen.

Durch die reizarme Umgebung lernen die Kinder auch einmal Langeweile auszuhalten, selbst aktiv zuwerden, kreative Gestalter und nicht Konsument zu sein. Allmähliche Erfolgserlebnisse motivieren, selbstbewusster den nächsten Schritt in der eigenen Entwicklung zu machen.

 

Die Konzeption wurde erstellt von Claudia Sandmeyer.

Für den Inhalt zeichnen verantwortlich:

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Katharina Rottenwallner - Träger                   Claudia Sandmeyer - Leitung

Altfraunhofen, im Oktober 2014

überarbeitet  im Februar 2017

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